Pädagogik 6 – setzen! Teil II

Mittwoch. Die Mitte der Woche. Mittlerweile war ich an dem Punkt angekommen, dass ich mich fragte, wie ich den Donnerstag und den Freitag wohl bewerkstelligen sollte. Aber ich atmete tief, sehr tief durch, fuhr zur Schule und hoffte auf das Beste.

Das Beste zu hoffen reicht aber zuweilen einfach nicht aus. Das habe ich relativ fix an diesem Tag begriffen.

An Frau Füllers Verhalten Jerry und mir gegenüber änderte sich gar nichts. Mir war ja durchaus der Gedanke gekommen, das Frau Füller nach den Ferien auch erst einmal wieder in der Klasse ankommen musste. Aber das schien eher weniger der Fall zu sein.

Ich schluckte meinen Ärger also in regelmässigen Abständen herunter und bemühte mich Jerry und mich selbst aus ihrem Radar heraus zu halten. Jerrys Arbeitshaltung war bereits nach 15 Minuten Unterricht auf dem Nullpunkt und durch die ständigen Ermahnungen von Seitens Frau Füller gelang es mir auch nicht ihn irgendwie zu motivieren. Es war einfach nicht möglich. Ich konnte ja nicht mit ihm reden ohne das die Klassenlehrerin dazwischen funkte.

Ich habe übrigens mittlerweile ordentliche Zahnschmerzen und dutzende kleine Entzündungen im Mund. Dazu einige angeschwollene Lymphknoten. Ich stehe ja nicht so sehr darauf solche plötzlichen Erscheinungen mit psychologischem Mehrwert zu bedenken. Aber in diesem Fall passt es: Frau Füller hat mir einen Maulkorb angelegt und der tut weh! Und das Zähneknirschen, das tut auch weh! Und mir schwillt der Kamm! Also der Hals!

An diesem wundervollen Mittwoch ereigneten sich mehrere Dinge, die dazu führten, dass sich mein Unbehagen und mein Zorn mehrten.

Zum einen trat Frau Füller schon am frühen Morgen an Jerry und mich heran und erklärte, sie wolle ein Gespräch mit uns beiden führen und wir sollten gleich nicht in die Pause gehen. Ich bekam sofort Puls, blieb aber ruhig, lächelte, nickte und ermahnte Jerry daran zu denken, dass er nicht direkt in die Pause rennt, weil Frau Füller noch mit uns sprechen wolle.

Frau Füller kam dann auch und sprach mit uns. Obwohl, nein, eigentlich sprach sie mit Jerry, meinte aber im Grunde genommen mich.

Da ich den genauen Wortlaut nicht mehr zusammen bekomme, fasse ich Frau Füllers Anliegen wie folgt zusammen:

Sie habe genug davon, dass Jerry ständig den Unterricht durch Reden störe und er sich ständig mit mir unterhalten würde. Dafür sei die Tally nämlich nicht da. Die Tally sei nicht dazu zuständig ihm die ganze Arbeit abzunehmen, die er ja ganz gut alleine hinbekommen würde und ob er denn wüsste, wieso die Tally neben ihm in der Klasse sitze.

Jerry entgegnete: „Die Tally ist da, um mir zu helfen.“

Ich lächelte und nickte, Frau Füller hob die Augenbrauen. Ja, die Tally sei da um zu helfen, aber nur bei bestimmten Sachen. Kurzer Seitenblick zu mir. Die Tally könne das dem Jerry sicherlich noch einmal ganz genau erläutern.

JA … das konnte die Tally tatsächlich. Ich erklärte Jerry also, dass ich da bin, um ihm zu helfen, wenn er Probleme bei den Aufgaben habe und sie nicht verstanden hätte. Dass ich da bin um ihn an Sachen zu erinnern oder ihn zu ermahnen, wenn er den Unterricht zu sehr stört. Dass ich aber auch da sei, um für ihn da zu sein, wenn es ein Problem gibt.

Frau Füller bestätigte das zwar alles, erklärte aber noch einmal, dass ich, also die Tally, nicht dazu da sei um mit ihm zu quatschen. Außerdem fügte sie hinzu:

„Ich habe das auch mit der Direktorin besprochen und wenn das jetzt nicht langsam mal klappt mit euch beiden, dann müssen wir uns mit der Direktorin noch einmal zusammen setzen!“

Aha. Wie nett. An dieser Stelle möchte ich anmerken, das Frau Füller mich bis auf den kurzen Seitenblick nicht ein einziges Mal direkt angeschaut hat. Abgesehen davon frage ich mich, wie sie glaubt, wie ich arbeiten soll, wie ich Jerry helfen soll, wenn ich nicht mehr mit ihm reden darf. Und mir mit der Direktorin über Jerry hinweg zu drohen ist nach dem Intermezzo am Dienstag nicht wirklich ratsam gewesen. Mal davon ab, dass ich es für absolut beschränkt hielt, einem 6 Jährigen mit der Direktorin zu drohen. Vor allem dann, wenn dem 6 Jährigen die Tragweite gar nicht wirklich bewusst ist. Und schon gar nicht einem Jungen gegenüber, der sich nichts sehnlicher wünscht als aus dem System Schule zu entkommen. Ich schaltete innerlich von „Ich bin wütend“ um auf „Jetzt führen wir Krieg, Frau Füller!“

Während Jerry in die Pause verschwand, ging ich los und schmiedete Kriegspläne. Zunächst wendete ich mich an eine Kollegin die an der selben Schule arbeitet, allerdings zwei Klassen über mir und erkundigte mich, wie das bei ihr im Unterricht laufe und ob sie neben ihrem Schüler schweigend hocken würde. Ich erzählte ihr dann einen kurzen Schwung und die Kollegin zeigte sich reichlich entgeistert und gab mir den Rat mit unserer Chefin zu kommunizieren und auf keinen Fall bis zum nächsten Team zu warten.

Fünf Minuten später schickte ich eine Nachricht an meine Chefin und bat um ein telefonisches Gespräch, da es ein paar Ärgernisse auf meiner Arbeit gäbe, die geklärt werden müssten. Bzw. das ich an einem Punkt bin wo ich nicht mehr sicher weiß, wie ich mich adequat verhalten sollte.

Die Ansprache von Frau Füller hat übrigens, wie von mir beinahe erwartet, auf Jerry keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Er hat mehr gestört und noch weniger gearbeitet als die beiden Tage zuvor. Also vielleicht war es doch ein nachhaltiger Eindruck allerdings im negativen Sinne. Zumal ich befürchte, dass Jerry glaubt, dass er, wenn es zu einem Gespräch mit der Direktorin kommen sollte, er womöglich nicht mehr zu Schule gehen muss. Für Jerry ein Traum, denn von Schulmotivation kann bei ihm keinerlei Rede sein. Er hasst die Schule. Und ganz ehrlich? Ich kann ihn durchaus verstehen. Ich würde mich in dieser Schule, speziell in dieser Klasse, mit entsprechender Lehrerin auch nicht motiviert fühlen zur Schule zu gehen und lieber zu Hause bleiben.

Schließlich erklärte Frau Füller, das Jerry einige Sachen nachzuarbeiten habe. Darunter auch eine Schreibaufgabe. Er sollte eine Seite das „S“ und das „U“ schreiben. Jerry verweigerte sich komplett und Frau Füller erklärte, das die Kinder, die diese Aufgabe nicht erledigten, dann am Donnerstag nicht mit in den Sport gehen dürften. Jerry entschied, sehr bewusst, dass er die Aufgabe jetzt nicht machen würde. Dafür arbeite er dann am Donnerstag in Sport alles nach.

Ich fragte ihn mehrfach, ob er sicher sei, dass er das so machen wolle, weil ich vermutete, dass ihm das spätestens dann leid tun würde, wenn die anderen Kinder in den Sportunterricht gehen. Aber Jerry blieb stur dabei und ich gab schließlich auf. Jerry zu etwas zwingen zu wollen was er absolut nicht möchte, ist sowieso ziemlich sinnfrei und endet in sehr unschönen Diskussionen, die am Ende meistens auch nicht zielführend sind.

Währenddessen verdrehte Frau Füller regelmässig die Augen und schnaufte, wann immer sie registrierte, dass ich mit Jerry etwas erörtere. Ich habe tatsache darüber nachgedacht ihr meine Tasche ins Gesicht zu werfen. Wahlweise dachte ich auch über Strangulation nach. Stattdessen lächelte ich entschuldigend oder hob die Schultern an, nur um mich dabei mächtig unwohl zu fühlen. Aber warum jetzt schon den Krieg ausbrechen lassen? Zumal meine Verteidigung noch nicht stand. Sollte sie doch ruhig glauben, ich wäre hilflos im Angesicht ihrer Übermacht und als sei die Drohung mit der Direktorin wirkungsvoll gewesen.

Schließlich ereignete sich noch Folgendes an diesem Tag. Dana, ein Mädchen, ebenfalls mit Migrationshintergrund, wurde bereits die letzten zwei Tage nach einigen Stunden Unterricht von ihrer Mama abgeholt. Das Mädchen war offensichtlich krank, besuchte aber trotzdem die Schule, bis es nicht mehr ging. Ich vermute einen Flüchtlingshintergrund, da das Mädchen derzeit gerade erst dabei ist Deutsch zu lernen, bin mir aber nicht zu 100% sicher. Am Mittwoch hustete sich das arme Kind (Dana sitzt am Tisch neben uns) sich praktisch die Lunge aus dem Leib. Im Klassenraum zwei Lehrkräfte und die Praktikantin. Dana kotzt halb auf den Tisch,  bekommt kaum noch Luft, der Kopf knallrot, Tränen in den Augen. Sie versucht dabei stoisch ihre Aufgaben zu erledigen, wird aber dermaßen vom Husten geplagt, dass sie kaum mehr den Stift halten kann. Irgendwann hab ich genug. Ich stehe also auf und hole ein Glas mit Wasser und reiche es Dana, mit der Bitte, sie solle mal versuchen ein bisschen was zu trinken. Vielleicht helfe es ja ein wenig gegen den schlimmen Husten. (Bonbons hatte ich keine. Ich habe mir aber später welche besorgt. Für das nächste Mal.)

Am Ende gab Dana es auf. Sie weinte mittlerweile und bat Frau Füller ihre Mama anzurufen. Frau Füllers Reaktion:

„Dana! Nicht dein Ernst?! SCHON WIEDER?“ Schnaufen, Augenverdrehen und weg war sie. Am Pult soweit abgeregt, dass sie erklärte, sie würde gleich Danas Mutter anrufen.

Ich saß nur da und dachte einmal mehr: „Pädagogik 6 – setzen, Frau Füller!“

Dana wurde dann auch abgeholt. Es war Pause. Jerry schon weg, ich packte gemächlich meine Sachen und meinte nebenbei:

„Vielleicht sollte Dana morgen einfach zu Hause bleiben. Sie ist ja wirklich krank.“

Frau Füller setzte die wehleidigste Miene auf, die ich je gesehen hatte und erklärte im Jammerton: „Ja, sie war ja schon vor den Ferien krank. Aber der Arzt verschreibt ihr kein Antibiotika, weil es ja eine Virusinfektion ist. Da bekommt man sowas ja nicht. Also wird es auch nicht besser. Und die Eltern …die Eltern lassen sie ja auch nicht zu Hause.“

Ich blickte auf und lächelte. „Vielleicht sind die Eltern dahingehend verunsichert und denken, so lange das Kind kein Fieber hat, müsse es in die Schule gehen. Ich bin sicher, dass wenn sie den Eltern sagen, dass Dana einige Tage zu Hause bleiben kann, sie dies auch tun werden. Weil das doch sinnvoller ist, als jeden Tag zur Schule zu kommen, um das Mädchen wieder abzuholen.“

Ich ließ Frau Füller daraufhin stehen und ging in die Pause. Am nächsten Tag kam Dana dann nicht in die Schule. Aha, geht doch!

Allerdings war der Mittwoch ja noch nicht vorbei. Man sollte ja auch meinen, das ein Arbeitstag von 3 1/2 oder 4 1/2 Stunden schnell rum ist. Was soll in den wenigen Stunden schon alles passieren? In einer Schule, das sag ich euch, können die paar Stunden sich am Ende anfühlen wie ein halbes Leben. Und es können soooo unheimlich viele Dinge passieren.

In der Schreibstunde, auf die Jerry keine Lust hatte, ergab es sich, dass auch eines der anderen Kinder keine Lust mehr hatte. Der kleine Nicki. Nicki ist in den Ferien 7 Jahre alt geworden, gehört aber zu den kleinsten aus der Klasse. Nicht vom Alter her. Sondern sowohl körperlich als auch geistig. Er ist allgemein einen Kopf kleiner als der Rest der Klasse, sehr schmal mit Mäusestimmchen und auch kognitiv würde ich meinen, dass er vielleicht wirklich noch eher Kindergarten- als Schulkind ist. Das meine ich nicht böse. Eigentlich ist Nicki nämlich auch ein ganz Lieber. Aber sein Verhalten ist einfach noch nicht so richtig Schultauglich. Hinzu kommt, das er im eigentlichen sehr, wirklich sehr schüchtern ist. Trotzdem schafft er es den Unterricht zu stören. Meistens aber auf eine passiv-aggressive Weise in dem er nicht auf seinem Stuhl sitzt, sondern unter seinem Tisch liegt. Dort versucht er zu schlafen, wahlweise summt er auch einfach nur vor sich her. Manchmal hat er auch von irgendwoher ein Spielzeug hervor gezaubert und spielt. Für die Lehrerin Frau Füller ist das freilich ein absolutes „No go“ und natürlich sehe auch ich, dass das nicht unbedingt ein Verhalten ist, was man sich von einem Schüler der ersten Klasse wünschen würde.

Nicki hatte allerdings äußerst brav an der Schreibaufgabe mitgearbeitet. Im Schweiße seines Angesichts. Irgendwann, nachdem er zur Lehrerin gedackelt war, um ihr sein Heft zu zeigen und wie jedes Kind, was das macht, schroff von Frau Füller zurück auf seinen Platz verwiesen wurde, weil er sich doch bitte melden solle, kam Frau Füller dann auch zu ihm.

Sie lobte seine Arbeit und machte darauf Aufmerksam, dass eines der Bilder zu dem er das passende Wort schreiben sollte, aber keine „Güte“ sondern eine „Tüte“ sei und bat ihn dies doch bitte noch zu verbessern. Daran ist auch nix falsch. Man tausche halt mal schnell einen Buchstaben gegen einen anderen aus. Für Nicki aber, der bereits am Ende seiner Kräfte angekommen war, hörte sich das nach weiterer Arbeit an und Nicki befand, dass er das jetzt aber nicht mehr machen wolle.

Es kam also zu einem völlig absurden Kräftemessen. Schüler gegen Lehrerin. Ich habe nicht mitgezählt wie oft Frau Füller Nicki befahl nun endlich aus der „Güte“ die „Tüte“ zu machen und wie oft Nicki daraufhin den Kopf schüttelte. So alle 10 Minuten schallte es zumindest bis zum Ende der Stunde durch die Klasse. Alle 10 Minuten steigerten sich bei Frau Füller auch die angedrohten Sanktionen.

„Du bleibst so lange da sitzen, bis du das gemacht hast“ , „Du gehst nicht in die Pause bis du aus dem ‚g‘ ein ‚t‘ gemacht hast“ , „Wenn du in meiner Klasse das nicht machen willst, dann gehst du gleich in eine andere Klasse und machst das!“ , „Nicki, wenn du das nicht sofort machst, dann rufe ich deine Mutter an!“

(Pädagogik …. ach ihr wisst schon …. -_-!)

Ich gebe zu, ich verfolgte das Frau Füller und Nicki Drama nur mit einem halben Ohr. Ich hatte ja immer noch Jerry, der ebenfalls in Arbeitsverweigerungsstimmung war und nutzte die Ablenkung von Frau Füller schamlos aus um mit meinem Schüler zu kommunizieren ohne das die Lehrerin ständig dazwischen grätscht. So richtig Aufmerksam wurde ich auf das Drama erst, als Frau Füller sich Nicki praktisch unter den Arm klemmte, irgendwas von „So nicht …. deine Mutter …. und du kommst jetzt mit“ vor sich her grummelte und die Klasse mit dem zappelnden Nicki verließ.

(Immerhin … Nicki schrie nicht wie am Spieß, so wie das letzte mal als Herr Knack ihn mit Hilfe von Frau Winkel aus dem Klassenraum trug ….)

Natürlich kann Frau Füller die Mutter von Nicki anrufen, wenn er sich entsprechend verhält. Klar nervt es sie, wenn Schüler Anweisungen nicht befolgen. Aber einen Machtkampf dieser Art vor der Klasse auszutragen ist völlig überzogen. Hier ging es im Grunde nur darum, dass sich Frau Füller unbedingt und auf Teufel komm raus durchsetzen wollte. Von Einfühlungsvermögen fehlte einmal mehr jede Spur. Die Mutter hätte sie auch in der Pause kontaktieren können. Von mir aus mit Nicki an ihrer Seite damit er entsprechend sieht, dass sie ihre Drohung auch tatsächlich wahr macht. So aber guckten (schon wieder) 26 Augenpaare interessiert bei dem Spektakel zu.

Und natürlich hatte diese Geschichte auch noch ein Nachspiel und das ziemlich direkt im Anschluss.

Weiter gehts in Teil III.

 

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11 Gedanken zu “Pädagogik 6 – setzen! Teil II

  1. Wird die Tally ihr Pädagogik-Schwert zücken können? Wird Frau Füller ihr Verhalten ändern, wenn sie für zwei Wochen zwangsversetzt wird auf die stille Treppe?!
    Ich bin schon sehr gespannt und drücke dir die Daumen für den dritten Teil samt Rückendeckung der Chefin und Rundumschlag!!! 🙂

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  2. Sehr schade, dass Frau Füller so handelt. Ich wäre sehr froh eine so engagierte Schulbegleiterin zu haben. Bei mir saß zwei Jahre ein junger Mann bei einem Schüler, der seinen Job auch echt toll gemacht hat. Ich war sehr dankbar, dass er den Schüler so unterstützt hat, da es eine große Arbeitserleichterung war. Gibt es eine Möglichkeit, dass ihr für manche Arbeiten in einen Nebenraum oder die Garderobe geht oder an einen Tisch vor’s Klassenzimmer (mit offener Tür)? Aber wahrscheinlich würde das Frau Füller auch nicht wollen…

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    1. Bisher fehlt es vor allem auch an Kommunikation. Ich berichte darüber noch ausführlicher in den nächsten Teilen die da kommen. Was das aus dem Klassenraum hinaus gehen angeht, so wünscht Frau Füller, dass wir im höchstfall 15 Minuten weg bleiben. Und da macht mir Jerry dann einen Strich durch die Rechnung. Einmal draußen ist es bedauerlicherweise kaum noch möglich den Jungen zu überzeugen, dass wir leider wieder rein müssen. Er tut dann wirklich alles, damit er nicht wieder in die Klasse muss und darunter dann auch Sachen, wie lautes schreien im Flur, weglaufen etc. Es gäbe die Möglichkeit runter in die OGS-Räume zu gehen um dort mit ihm in Ruhe zu arbeiten. Darüber denke ich schon eine Weile nach, aber ich bin nicht sicher, wie sinnvoll das auf lange Sicht ist. Es wäre allerdings definitiv ein Anfang. Dort gibt es allerdings auch viele Spiele, die seeeehr reizvoll sind für Jerry. Also reizvoller als das Arbeiten. Wobei ich das wahrscheinlich auch wieder ganz gut nutzen könnte, um ihn zu motivieren. Arbeitsblatt und Restzeit spielen. Leider funkioniert das nicht immer und Jerry gehört zu den Kindern, die halt doch immer gern sofort die Belohnung möchten und das am Besten ohne davor irgendwas getan zu haben. Wobei ich kein Problem habe, mit ihm endlos zu diskutieren. Dann tun wir eben das. Er macht nix, er darf aber auch nicht spielen und im Grunde genommen hat er davon gar nichts. Das merkt er allmählich auch 😀 Es wird aber definitiv ein Gespräch mit Frau Füller geben. Schon alleine deshalb, weil ganz klar ist, dass sie eine sehr falsche Vorstellung von der Ausübungs einer Schulbegleitung hat. Und ich kann wirklich so kaum effektiv arbeiten.

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  3. Also, dass Fr. Füller unklug und unpädagogisch handelt, steht außer Frage und dürfte natürlich nicht vorkommen.

    Aber: Auch Fr. Füller ist nur ein Mensch. Und – wenn wir ihr jetzt mal unterstellen, dass sie auch mal euphorische Berufsanfängerin war – dann ist sie MOMENTAN wohl absolut an ihrem Limit. So sehr, dass sie ihre Chance durch deine Arbeit gar nicht erkennt. Sie wurde vom System ans Limit gebracht und hatte vielleicht keine andere Möglichkeit als sich innerlich zu distanzieren. Sie ist im Gegensatz zu dir auch noch allen anderen Schülern in der Klasse verpflichtet, müsste sich eigentlich vermutlich mit min 10 Elternpaaren regelmäßig auseinandersetzen, ohne das bezahlt zu bekommen bzw. die Zeit dafür zu haben- das ist für Lehrer nämlich zu erwartende Mehrarbeit!
    Und was weißt du über die private Fr. Füller? Ist sie alleinerziehend, lebt in Scheidung, pflegt ihre Eltern?

    Es ist zwar verständlich, dass du schockiert bist, dennoch ist ein inneres Umschalten auf „Krieg“ wenig hilfreich – auch du solltest in deiner Haltung professionell bleiben.

    Ja Frau Füller ist augenscheinlich überfordert, d.h. sie braucht nicht noch mehr Druck, sondern eine helfende Hand und etwas Verständnis. (So wie überforderte Kinder eben auch.) Druck erzeugt auch bei Erwachsenen Gegendruck – oder willst du sie „brechen“?

    Soziale Berufe sind sehr schön, aber auch sehr zehrend… und ich muss uu geben, dass man sehr aufpassen muss und viel Glück braucht, dass einen das System nicht den pädagogischen Ethos kaputt macht… arme Fr. Füller, sie konnte wohl nicht gut auf sich achten.

    😘kleiner Perspektivwechsel hilft manchmal
    Lg Frau Mutterherz

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    1. Danke für deinen tollen Kommentar. Ich weiß, dass ich die Angelegenheit nicht einseitig betrachten darf. Ich kann so einiges bei Frau Füller durchaus nachvollziehen. Es ist auch nicht so, dass ich sie hasse. Es besteht nur sehr akuter Klärungsbedarf. „Krieg“ ist in meinem Sinne auch nur der überzogene Ausdruck für „ich hole mir jetzt Hilfe von übergeordneten Instanzen“ weil ich bei ihr alleine nicht mehr weiter komme. Was halt sehr schade ist. Und was so nicht hätte sein müssen, wenn sie mal mit mir sprechen würde. Letzteres passiert nur nicht. Weil sie von Anfang an versucht hat mich zusammen mit Jerry aus dem Klassenverband auszuschließen. Und mir ja auch direkt nach dem ersten Tag erklärte „also ohne sie lief das viel besser“ was nun mal nicht der Realität entspricht. Ich bin für sie ein weiterer stressfaktor. Das ist im umkehrschluss sehr unangenehm für mich. Nur kann und darf ich da keine Rücksicht auf sie nehmen. Mein Augenmerk liegt zu 90 % bei Jerry. Und wenn es ihm aufgrund ihrer Sanktionen immer schlechter geht, muss ich handeln. Sie muss akzeptieren das ich da bin und das tut sie nicht. Sie will mich im Grunde nicht da haben. Und wenn ich noch tiefer gehe, will sie auch alke Kinder loswerden, die sich nicht ihrem Unterricht anpassen können.
      Ich will sie nicht brechen, aber ich lasse mir von jemanden, der im Glashaus sitzt und mit steinen wirft auch nicht drohen. Ich lasse auch nicht zu, dass das zu Lasten eines 6 jährigen Kindes geht. Und bevor Dinge eskalieren klärt man sie. Dass ist, was ich tun werde. In letzter Instanz gehe ich mit jerrys Mama konform, dass man eventuell einen klassenwechsel ins Auge fassen sollte.

      Gefällt 1 Person

      1. Das klingt alles sehr nachvollziehbar und ich denke tatsächlich, dass sie sich- unnötigerweise- von dir bedroht/kontrolliert und gestört fühlt. Definitiv musst du dich für deinen Schützling einsetzen und ich hoffe, dass Fr. Füller mal in sich geht und sich kooperativer zeigt! Manchmal ist ein Kontaktabbruch/Klassenwechsel leider wirklich die letzte Chance. Mir ist das auch schon passiert, dass ich mit einem erwachsenen Schüler einfach auf keinen grünen Zweig kam – trotz vieler Vermittlungsversuche 🤷🏼‍♀️

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      2. Ich fürchte auch. Mir wäre es total lieb, wenn sich im Gespräch Knoten lösen würden. Manchmal klappt es ja dann doch noch mit der zusammen Arbeit. Wäre der beste Ausgang für diese Geschichte. Im Zweifel halt der klassenwechsel. Vor allem wenn es einfach gar nicht passt. Wie du geschrieben hast : manchmal ist es halt einfach so und ich selbst bevorzuge auch eher die Harmonie als ständige Dispute 😊

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