Traurig

Gestern, am Sonntag, ist bei uns in der Nähe ein zwei jähriger Junge um sein Leben gekommen. Er saß mit seinem Vater im Taktor, hat unbemerkt den Gurt gelöst, weil er wohl ein Buch holen wollte, was hinunter gefallen war und stürzte. Aus bisher ungeklärten Gründen öffnete sich die Tür des Taktors und der Junge fiel hinaus. Er erlitt tödliche Verletzungen.

Ich kenne den Jungen nicht.

Ich kenne auch die Familie nicht.

Aber gerade habe ich meinen, bald zweijährigen Wurzelgnom ins Bett gebracht, in den Schlaf begleitet und seither heule ich Rotz und Wasser.

Wurzelgnom liebt Traktoren. Er würde wohl auch gerne mal mit einem fahren. Darf er auch. Jetzt allerdings erst, wenn er 102 Jahre alt ist.

Es ist schrecklich.

Mich belasten solche Nachrichten so furchtbar und so nachhaltig und andauernd, dass ich sie einfach gar nicht hören mag. Ich will es nicht wissen. Ich will nicht wissen, wenn Kinder sterben. Ich will nicht wissen, wenn Eltern sterben und ihre Kinder zurücklassen.

Ich will es schlicht und ergreifend nicht mehr wissen.

Ich will einen Ponyhof mit Blümchen und kleinen Butterkekshäuschen.

Mein aufrichtiges Beileid, tiefstes Mitgefühl, gilt der unbekannten Familie. Auf das es Sterne für sie regnen möge, sich der Himmel auftut und die Sonne irgendwann den Weg zurück in ihre Nacht findet, die gerade jetzt so finster wie noch nie erscheinen wird. Dass sie zusammenhalten, sich gegenseitig stärken und nicht zerbrechen.

Und jetzt geh ich noch ein bisschen traurig sein und dann versuche ich den Schmerz, der nicht der Meine ist, zu verdrängen, damit ich weiter atmen kann.

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9 Gedanken zu “Traurig

  1. Auch von mir herzliches Beileid an die Familie. Ich verstehe dich sehr gut. Seit ich Mutter geworden bin, trifft mich so etwas auch mehr als früher. Jetzt nach dem zweiten Kind sogar noch mehr, besonders wenn die Kinder im gleichen Alter sind. Diese Traktorunfälle kommen zwar hin und wieder vor, aber deswegen kannst du deinen Kind nicht verbieten Traktor zu fahren. Letztes Jahr wurde ein Kind im Alter meines Großen an einer Kreuzung von einem LKW überfahren. Beide hatten Grün, der Junge wollte in die selbe Straße wie der LKW einbiegen. Seine Mutter fuhr hinter ihm mit dem Rad. Das hat mich sehr geschockt, denn mein Großer ist öfter mal unachtsam im Verkehr. Ich bin nicht immer dabei, aber wie man sieht, würde das auch nicht unbedingt etwas ändern. Doch ich kann ihm jetzt nicht das Rad fahren verbieten. Es ist traurig, aber du kannst nicht der universelle Schutzengel sein. Was ist mit Treppen, Tischkanten, Steinen, etc.? Es gibt so viele Gefahren, wenn man sich das ständig vor Augen führen würde, würde man verrückt werden. Lg Schokodil

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      1. Ja, Ja. Das hält Gott sei dank nie lange an und drüber schlafen erdet wieder. Hat Birkesdorf gebraucht, das einschlafen. Manchmal vermisse ich die kinderlose Tally. Die war härter im nehmen🙄

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  2. Mir geht das auch ganz genau so.

    Vor ein paar Wochen erzählte eine Dozentin von einer anderen, die ich sehr gerne habe, dass diese ihr Kind verloren hat. Ich habe im Seminar gesessen und Rotz und Wasser geheult. Ich weiß sonst echt nix mehr von dem Seminar.

    Sagt mir sowas nicht. Ich fühle so sehr mit. Ich habe die Kapazitäten nicht. Ich kann es nicht verarbeiten und filtern. Verschont mich.

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