Der Leinentest

Ich hatte ja, vor einiger Zeit, diesen Rucksack plus Leine gekauft.  Eigentlich war das Ganze für den nächsten Zoo-Besuch gedacht. Damit Wurzelgnom nicht davon läuft und im nächsten Löwenkäfig als Mittagssnack landet. Bisher waren wir aber in keinem Zoo.

Zum Einen lag das daran, dass wir keine Zeit hatten. Und wenn wir Zeit gehabt hätten, dann war das Wetter nicht schön.

Zum Anderen lag es daran, dass ein Zoo-Besuch leider nicht gerade billig ist, sondern im Gegenteil, super teuer. Abgesehen davon, dass der Zoo, den wir am ehesten besuchen könnten, natürlich der in Köln ist. Köln ist etwas weiter weg. Also muss man zu den hohen Eintrittspreisen auch noch das Spritgeld hinzurechnen.

Wir entschieden uns daher: Kein Zoo. Stattdessen schwimmen. (Was wir ja auch getan haben. Worüber ich immer noch ein anderes Mal etwas schreiben möchte, weshalb ich jetzt nicht weiter darauf eingehen werde.)

Trotzdessen ergab sich die Gelegenheit den Rucksack und die Hunde …. Verzeihung, die Kinderleine auszuprobieren.

Meine Mutter und der Biker luden uns nämlich in das Freilichtmuseum bei Kommern ein. Dort gab es zu diesem Zeitpunkt einen Jahrmarkt „Anno dazumal“. Hauptsächlich wahrscheinlich deshalb, weil sie keine Lust hatten alleine mit meiner Stiefschwester und deren Anhang das Museum zu besuchen.

Wir sagen zu und freuten uns riesig. Erstens ein Ausflug. Zweitens war ich gefühlte Jahrhunderte mich mehr im Freilichtmuseum und freute mich darauf es mit meinem Mann zusammen zu erkunden. Drittens gab es dort einen Jahrmarkt. Karussells! Zuckerwatte! Eiscreme! Usw.

Ebenso schön war, dass das Wetter endlich mitspielte. Wir erwischten einen herlichen Frühlingstag. Es war unheimlich warm, die Sonne schien, alles super.

Leider kamen wir ein bisschen spät von zu Hause weg. Und leider waren wir auch nicht die Einzigen, die das schöne Wochenende nutzten, um in das Freilichtmuseum zu fahren. Wir standen daher ca. 30 Minuten lang in einer endlosen Schlange von Autos, die alle auf den selben Parkplatz wollten wie wir. Immerhin konnte ich, soweit das Auge reichte, mich entscheiden: Entweder Fahrzeuge angucken oder …. freie Landschaft. Soll heißen: Acker gucken!

Örks.

Aber wir sind immerhin angekommen und haben einen schönen Parkplatz gefunden. Meine Mutter, der Biker, meine Stiefschwester und ihr Anhang waren natürlich schon da und warteten auf uns. Während meine Mutter und meine Stiefschwester den Bus nehmen durften (Stiefschwester war zu diesem Zeitpunkt im 8ten Monat schwanger) mussten wir den Berg aus eigener Kraft erklimmen.

Oben angekommen wurde dann herumgetrödelt, bis man sich entschloss, jetzt doch mal die Karten zu holen und das Freilichtmuseum zu betreten.

Kaum drinnen, wurde diskutiert, ob man nun etwas Essen möchte oder nicht. Wir hatten zwar alle hunger, aber ich dachte, wir gehen erst einmal etwas herum. Stattdessen entschied man, so nach beinahe 40 Minuten, man besuche nun dieses nette Café und esse erst einmal etwas. Bis man sich dazu entschieden hatte, nutzte ich die Zeit um ein paar Fotos zu machen. Außerdem kam die Leine von Wurzelgnom erstmalig zum Einsatz.

Die Kommentare zur Leine blieben, wie ich erwartet hatte, nicht aus. Eine Dame meinte, nachdem sie sich das einen Moment angeschaut hatte: „Na! Besser, als wenn er verloren geht!“

Recht hat sie. Die restlichen Blicke waren nicht so verständnisvoll. Meine Mutter fand es total peinlich und mein Mann setzte sich am Ende durch und die Leine kam nach ca. 5 Minuten weg. Er passe lieber so auf Wurzelgnom auf, meinte mein Mann. Und so blieb es dann auch für den restlichen Tag. Pff.

Na schön. Das Café war nett. Die Preise waren völlig in Ordnung. Das Essen war lecker. Die musikalische Unterhaltung war allerdings etwas Zweifelhaft. Die bestand nämlich aus zwei großes Figuren, die, sofern man bereit war ihnen etwas Geld zu überlassen und den entsprechenden Automaten zu füttern, diverse Lieder zum Besten gaben. Die Kinder waren immerhin begeistert. Mir taten die Ohren weh und meine Stiefschwester wurde nicht müde zu betonen, wie unheimlich sie die Figuren doch fand, was nach dem 15ten Mal dezent anfing zu nerven!

Schließlich gingen wir ENDLICH weiter und bummelten uns zum eigentlich Spektakel, den Jahrmarkt, durch. Gefühlt hat es mindestens eine Stunde gebraucht, bis wir endlich dort angekommen sind. Gleich das erste Karussell wurde von meiner Stiefschwester und ihrem Lebensabschnittsgefährten dazu genutzt meine Nichte 5 Mal im Kreis herum fahren zu lassen, während wir anderen, einschließlich Wurzelgnom, daneben standen und in der Nase bohrten. Naja, ich habe einmal mehr die Chance genutzt mich zu entfernen und zumindest ein paar Fotos zu machen.

Bevor es zum nächsten Karussell weiterging, bestand ich darauf, mir die Nissenhütten anzusehen. Schließlich wollte ich wenigstens hier und da mal ein wenig was angeschaut haben.

Das nächste Karussell fand Wurzelgnom dann immerhin total aufregend. Da gab es nämlich ein Feuerwehrauto! Zack. Da saß er drin und wir dachten, wir probieren mal, ob er damit fahren möchte. Lustigerweise hatten wir ein Ticket von einem netten Mann geschenkt bekommen, der es nicht mehr benötigte, weil seine Enkelin nach mehreren Runden fahrt, keine Lust mehr hatte. Leider hatte Wurzelgnom zu große Angst und als mein Mann sich von ihm mit winken und „Tschüss“ verabschiedete, kletterte er kurzerhand aus dem Feuerwehrauto und ließ sich nicht mehr dazu bewegen noch einmal hinein zu steigen. Wir gaben das Ticket daher an meine Nichte ab, die verträumt daraufhin ihre Kreise fuhr, ohne mit der Wimper zu zucken. Weil Wurzelgnom daraufhin anstallten machte doch fahren zu wollen, kauften wir doch noch einmal ein Ticket. Aber auch dieser Versuch scheiterte. Deshalb machten wir, was man mit uns gemacht hatte. Wir verschenkten das Ticket an einen Mann mit seiner kleinen Tochter, die sich beide wahnsinnig darüber gefreut haben!

Ein Eis und viele, viele sinnlose Minuten später, wo Stiefschwester und Anhang wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend herum standen und sich nicht entscheiden konnten, was sie mit ihrem Dasein anfangen sollten, verließen wir den Jahrmarkt wieder und machten uns auf den Rückweg. Meiner Mutter ging es nicht so gut und dank des Schneckentempos, den meine Stiefschwester an den Tag legte und ihrer Entscheidungsunfreudigkeit, die quasi einfach nicht vorhanden zu sein schien, ging es bereits auf 16 Uhr zu, ohne das wir viel mehr getan hatten als etwas zu Essen und meine Nichte Karussell fahren zu lassen.

Auf dem Rückweg schauten wir uns noch ein paar Häuser an und machten eine längere Pause. Bei der Gelegenheit fiel meiner Nichte ein Huhn auf den Kopf, was diese zum Anlass nahm eine ganze Weile verstört bei ihrer Mama zu verbleiben. Wurzelgnom indess war begeistert und fütterte das Huhn mit einem Teil seiner Brezel.

Meine Mutter entschärfte die Situation in dem sie „Wobbli“ auspackte. Wobbli den Wurm, der durch einen unsichtbaren Bindfaden, scheinbar von ganz alleine in der Lage war sich zu bewegen. Das kleine Ding habe ich in meinem Lieblingsbilligladen gekauft, weil meine Mutter es so toll fand und noch aus ihrer eigenen Kinderheit kannte. Sie selbst kaufte sich ebenfalls einen „Wobbli“ und trainierte das Ganze mit Hilfe von Youtube-Videos.

Das Huhn ist Wurzelgnom übrigens auch später nachhaltig im Kopf geblieben. Als er in der Nacht aufwachte, murmelte er mehrfach „Gockgockgo!“

Ich nutzte diese ewig lange Pause, um noch das Haus zu erkunden, welches hinter uns stand und ein paar Fotos zu machen. Danach war mein Handy-Akku genauso erschöpft, wie ich. Wobei ich nicht erschöpft war, weil es anstrengend gewesen wäre, sondern aufgrund von einer gewissen Enttäuschung, die ich allerdings mit dem Biker teilte. Wir entschlossen uns beide, dass wir noch mal ins Freilichtmuseum fahren würden. Ohne Anhang. Damit wir uns ALLES mal ansehen könnten. Ohne Anhang bedeutete in diesem speziellen Fall: Ohne meine Stiefschwester.

Mein Fazit für diesen Ausflug lautet zumindest: Besser nicht mit einer Hochschwangeren, deren Naturell sowieso und auch nicht Schwanger bereits der einer Schlaftablette gleicht, hingehen. Nein, das ist gar nicht fies. Doch, ist es. Aber wir sind auch keine Freunde. Wir sind eher sowas wie: „Müssen irgendwie miteinander auskommen, weil unsere Eltern verheiratet sind.“

Ansonsten ist das Freilichtmuseum aber wirklich empfehlenswert, weil es bestimmt noch super viele Dinge zu sehen gibt, die wir an diesem Tag nur leider nicht haben sehen können. Und was die Leine angeht … ich FINDE SIE GUT! So. Aber so lange mein Mann in der Nähe ist, habe ich keine großen Chancen, dass die noch mal zum Einsatz kommen wird. Dafür wird der Rucksack von Wurzelgnom heiß geliebt.

Immerhin.

 

 

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8 Gedanken zu “Der Leinentest

  1. Ich habe Ausflüge in das Kommener Freilichtmuseum geliebt, als wir (vor Polen) in der Eifel wohnten! Aber an so ‘nem Tag hättest Du mich da nie hin bekommen! Je leerer desto schöner! Und diese vom museumseigenen Bäcker produzierten Hefekuchen! UNGLAUBLICH! Am schönsten ist es im beginnenden Herbst, wenn die Blätter fallen. Durch das Freilichtmuseum durch schlendern, am anderen Ende raus, ein paar mal auf der Sommerrodelbahn gerodelt, wieder rein ins Museumsgelände, anderen Weg zurück zum Eingang geschlendert, Kuchen, Kuchen, Kuchen genossen und nach einem total entspannten Tag wieder nachhause gefahren. So macht man das 😉! (Nur so als Tipp fürs nächste Mal!)
    PS: Mein Angebot zum Korrekturlesen von transkribierten Interviews besteht immer noch! Auch achtzug Seiten schocken mich nicht. Kannst ja mal mit einem Interview anfangen und unverbindlich gucken, ob Du mit mir zufrieden bist 😉…)

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  2. ich war auch ewig nimmer im freilichtmuseum, könnte ich auch mal wieder hin. verstehe aber, dass du da alleine nochmal hin willst.
    p.s. find die leine immer noch klasse für wurzelgnom 😀

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  3. Freilichtmuseum…da war ich auch schon lange nicht mehr. Wir sind immer nach Hagen gefahren. Und wir hatten fast immer Glück das die ‚kleinen Betriebe‘ offen hatten, so konnten wir zugucken wie sie Seile machen, oder die Schmiede, der Goldschmied und der Bäcker! Da Brot war so herrlich *jamm* Aber stimmt, da kann man nur mit Leute hingegen die sich halbwegs dafür interessieren.

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