Geister der Vergangenheit

Manchmal überkommt mich ein zwanghaftes Gefühl von Nostalgie.

Ich weiß nicht was es auslöst. Es kommt ganz plötzlich und meistens dann, wenn ich mich eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftige. Einmal da, lässt es mich nicht mehr los und was auch immer ich gerade gemacht habe, es muss warten, weil ich mich nämlich am PC wieder finde um in Facebook und Google Namen von Personen einzugeben, die ich einmal kannte. Im Guten wie im Schlechten.

Ich suche meistens die Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, das noch Rechnungen offen sind. Ungesagte Dinge. Ungeklärte Fragen. Nicht gehaltene Versprechen. Nie geheilte Verletzungen. Offene Entschuldigungen. Reue.

Ich suche sie, obwohl ich weiß, das selbst wenn ich sie fände, ich sie wohl kaum anschreiben oder gar anrufen würde. Im Klartext… Ich suche nicht unbedingt um dann auch wirklich Kontakt herzustellen.

Manche würden sich vielleicht noch an mich erinnern, sich aber wundern, was ich von ihnen will. Andere würden es wissen, aber die Augen verdrehen, weil ich alte Kamelle aufwärme. Wieder einige wüssten mit mir wohl gar nix mehr anzufangen und andere würden mich genauso verletzen wie früher. Einfach weil…. Arschlöcher immer Arschlöcher bleiben. Punkt.

Trotzdem muss ich suchen. Kann einfach nicht anders. Regelrecht zwanghaft. Und bin enttäuscht, wenn ich nicht fündig werde.

Diese Personen sind vermisste Personen. Schwarze Löcher. Und zwar dort, wo sie einmal einen Platz in meinem Leben einnahmen. Irgendwann waren sie wichtig für mich. Teil meines Universums, Wegbegleiter, Wegbereiter. Sie haben ihre Spuren auf und in mir hinterlassen. Fingerabdrücke, die bis heute geblieben sind, wenn gleich manche natürlich blasser sind als andere.

Andere haben tiefe Wunden gerissen, schmerzhafte Narben hinterlassen. Sei es weil uns nie eine Freundschaft verband, sondern eher eine Feindschaft oder weil das, was ich für Freundschaft hielt, keine war.

Deshalb bin ich manchmal auch enttäuscht, weil ich fündig werde.

Weil die Geister meiner Vergangenheit, die für so manchen Alptraum gesorgt haben, plötzlich Väter und Mütter sind und so ein verdammt normales Leben führen. Weil sie auf den Fotos so herzhaft lachen, umringt von ihren Freunden. Und zumindest oberflächlich betrachtet ein anständiges Bilderbuchleben leben.

Ich neide es ihnen nicht. Nein. Aber das verletzte Kind in mir… Das missgönnt ihnen ihre Normalität!

Dann gibt es die, bei denen ich regelrecht erstaunt bin. Z. B wenn die Vollzeitlesbe, die ich einst kannte, plötzlich mit einem Mann verheiratet und Mutter eines Kindes ist!

Öööööh?! Wtf! Und, Wann ist das passiert? Und wie? Warum?

Und freilich gibt es auch die, wo ich mich von Herzen freue, dass es ihnen gut ergangen ist. Gute Freunde, die ich aus den Augen verloren habe oder los ließ, weil sie nicht mehr in mein damaliges Lebenskonzept passten.

Leute, wo ich gern ein Teil ihres Lebens wäre, aber gleichzeitig doch weiß, dass es ein Neuanfang sein müsste, da das alte längst nicht mehr ist.

Und ich bin da auch nie sicher, ob so ein Neustart wirklich gut wäre oder überhaupt funktioniert…

Es gibt natürlich Geister, da habe ich es probiert. Und dann erschrocken festgestellt, das es gute Gründe gab, sie hinter mir zurück zu lassen. Das ging natürlich mit der Erkenntnis einher, das sich manches nie ändert. Und manche Menschen eben auch nicht!

Wie ich oben schrieb: Arschlöcher bleiben Arschlöcher!

Auch kam es vor, das die Geister von damals genauso mit mir umgegangen sind wie damals. Das Problem ist, das ich nicht mehr die selbe Tally wie anno dazumal bin!

Wenn ich also mit einer ehemaligen Freundin rede, die 7 Jahre älter ist als ich und mich mit 18 Jahren kannte, erwarte ich freilich, das sie mich behandelt, wie eine Person von ü30 und nicht wie das Kind von damals.

Leider scheint das nicht zu funktionieren, wobei es durchaus Fälle gibt, da sage ich: Gott sei Dank!

Gut das ich mich weiter entwickelt habe, der andere Mensch aber nicht, weil ich sonst auf den selben Blödsinn gleich noch einmal reinfallen würde.

Glückwunsch an mich selbst!

Ich frage mich also, Warum die Suche? Und was mache ich am Ende mit den Geistern, die ich rief?

Worauf hoffe ich? Was will ich eigentlich genau finden? Oder besser…. Wieder finden?

Oder ist es letztlich doch bloss eine perfide Neugier, die mich nostalgisch auf die Suche schickt und befriedigt werden möchte?

Geht das nur mir so?

Wobei ich freilich sagen kann, das es bereits 2 Menschen gibt, zwei liebe Geister, die ich aufgrund meiner zuweilen zwanghaften Suche wieder finden konnte, wo ich bisher keineswegs den erneuten Kontakt bereue. Auch wenn es bisher noch zu keinem Treffen kam, was hauptsächlich an Zeitmangel lag oder der Tatsache, das mir definitiv ein Auto fehlt.

Aber kommt die Zeit, dann vielleicht auch ein Treffen. Und dann kann man ja vielleicht sehen, ob die Geister der Vergangenheit wieder zu Menschen der Gegenwart werden können.

Ich bin gespannt.

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2 Gedanken zu “Geister der Vergangenheit

  1. Mach ich auch. Und es nervt mich dann selbst. Deswegen gehe ich zeitweise für Monate nicht ins Facebook. Denn irgendwie vergleiche ich mich dann mit denen, die „mehr“ erreicht haben oder sowas und das nervt mich. Juckt mich ja eigentlich nicht. Hauptsache man ist glücklich und zufrieden, aber irgendwie kann Facebook soviel vortäuschen. Mag ich nicht.

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