Der verschwundene Wäscheständer

Abends. 20 Uhr. Tatort: Haus S.

Mein Mann kommt von seinem Toilettengang zurück ins Wohnzimmer.

„Schatz? Wo ist denn eigentlich unser Wäscheständer hin gekommen?“

Ich, irritiert: „Wieso? Der steht doch oben im Flur. Du bist da doch gerade vorbei gekommen.“

„Nein. Der steht da nicht mehr.“

Ich: „Klar steht der da. Da hängt doch Wäsche drauf!“

„Ernsthaft, Schatz! Der ist da nicht! Hat die Heroldin den weg gestellt?“

Ich hebe verplant die Schultern. Wenn die Heroldin des Bösen den Wäscheständer mit in ihren Rucksack gepackt hätte, um den mit nach Hause zu nehmen, wäre uns das bestimmt aufgefallen.

Mein Mann kratzt sich am Kopf, hebt ebenfalls die Schultern und wir schauen den angefangenen Film weiter.

Der Film ist schließlich vorbei, zwischendurch war mein Mann noch mal oben auf dem Klo. Als er nun vom Sofa aufsteht, lässt ihn der Wäscheständer nicht los.

„Schatz… Jetzt ernsthaft… Wo ist der Wäscheständer abgeblieben? Wir brauchen den doch!“

Ich, wieder irritiert, hatte den Ständer schon wieder vergessen.

„Der steht immer noch oben!“

„Tut er nicht!“

Kann doch nicht sein. Ich springe auf und laufe zwei Treppenstufen hinauf, da kann ich den Wäscheständer schon sehen. Beladen mit Wäsche, wie es sich gehört.

„Also, echt! Da steht er doch!“

Mein Mann kommt, guckt. Guckt länger. Völlige Entgeisterung im Gesicht.

„Das kann nicht sein! Seid wann steht der da?“

„Schon immer?! Du warst doch 2 mal hier oben und bist auf das Klo gegangen. Da bist du doch 2 mal an dem Ständer vorbei gelaufen!“

„Der stand da nicht… Ich hab den nicht gesehen… “ murmelt mein Mann.

„Der stand da. Die ganze Zeit“ versichere ich.

Mein Mann tritt Kopfschüttelnd den Rückzug an und murmelt: „Nee, Mama… Nee.“

Ich bleibe ein wenig ratlos zurück und versichere mich mit einem weiteren Blick, dass der Ständer auch wirklich da ist. Irgendwas stört mich an dem Bild, kann aber nicht sagen was es genau ist. Nur das es nicht stimmt.

Später war ich dann selbst noch mal ganz oben und habe festgestellt, dass die Heroldin den Wäscheständer nach hinten verschoben hat, so dass man bequem den Flur entlang gehen kann, ohne das man dem Ständer ausweichen muss.

Scheint so, als habe die Heroldin des Bösen auf diese Weise ein Loch im Zeit- und Raumgefüge unserer Wohnung entdeckt, so dass der Wäscheständer für meinen Mann verschwunden bzw. unsichtbar war.

Einzig logische Erklärung! Ansonsten ein Fall für Akte X.

Zur Sicherheit hab ich den Wäscheständer jetzt wieder mittig in den Flur gerückt und so auch gleich dafür gesorgt, dass das Bild wieder stimmt!

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4 Gedanken zu “Der verschwundene Wäscheständer

  1. Ich war mal mit auf einen Klassenausflug der Kleinen. Jede Mutter bekam eine Gruppe von drei oder vier Kindern zugeteilt, auf die sie aufpassen sollte. In meiner Gruppe war der mit Abstand größte Junge der Klasse (er ragt wirklich aus der Gruppe raus), eines der wenigen dunkelhäutigen Kinder in der Klasse und er trug auch noch eine leuchtend rote Jacke. Außerdem ein ganz lieber Junge, der immer bei der Gruppe blieb. Ständig ging ich dieses Kind suchen. Meine Wahrnehmung endete bei blond in der Größe meiner Tochter. Ganz furchtbar! Ich starrte die Gruppe an, fragte die Kleine panisch: „Wo ist XY?“ und sie antwortete irritiert: „Genau da, vor Dir!“
    Unglaublich, wie Muster und Gewohnheiten unsere Wahrnehmung beeinflussen!

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  2. Irgendwo habe ich mal sinngemäß gelesen: „Wenn eine Frau einem Mann sagt, dass der gesuchte Gegenstand am genannten Ort ist, dann sollte der Mann – auch wenn er den Gegenstand bislang nicht an diesem Ort aufgefunden hat – der Frau vertrauen und die Suche dort fortsetzen!“ 😉

    Männer haben tatsächlich manchmal ein selektiveres Sehen, so scheint es mir. Manches wird dann der Einfachheit halber eben einfach ausgeblendet. 🙂

    Gefällt 2 Personen

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