Die Brille

Meine Brille übt von jeher eine gewisse Faszination auf Wurzelgnom aus. Eigentlich auf alle Wurzelgnome, die ich so kenne. (Kennt wahrscheinlich jeder Brillenträger, der mal in der Nähe von kleinen Kindern war.)

Natürlich darf weder mein Wurzelgnom noch andere meine Brille haben.

Zumindest nicht einfach so! Bisher habe ich Wurzelgnom nur einmal erlaubt sie zu nehmen und sie aufzusetzen.

Das sah durchaus witzig aus. Nicht so witzig war, das er sie danach nun immer haben und aufsetzen wollte.

Ich habe nämlich nicht nur angst das meine Brille zu schaden kommt, sondern nehme an, das es nicht gesund ist, wenn mein Sohn durch die Gläser in die Welt hinaus blinzelt ohne kurzsichtig zu sein.

Jedenfalls darf er sie im Regelfall nicht haben, wird aber auch nicht müde, sie zu nehmen, wann immer ich sie versehentlich in greifbarer Nähe irgendwo habe rum liegen lassen. Immerhin bringt Wurzelgnom sie mir dann und zeigt sie mir. Ich nehme sie und bringe sie, nachdem ich mich bedankt habe, sofort in Sicherheit.

Soll heißen ich lege sie außer Reichweite auf den Schreibtisch meines Mannes.

Neulich habe ich mit Wurzelgnom ein Buch gelesen und er wollte dabei mit mir kuscheln. Nachdem er sich 2 mal an meiner Brille den Kopf stieß wurde er zu recht unleidig. Also nahm ich die Brille ab und legte sie neben mich auf die Lehne unseres Sofas.

Wurzelgnom sah es und wurde unruhig. Ich versuchte weiter zu lesen und die schöne Kuschelstimmung wieder herzustellen.

„Mama, nee. Mama, ab!“

Ich ignorierte es und las stoisch weiter.

Wurzelgnom ignorierte wiederum das und zeigte auf meine Brille. „Mama, ab. Nee!“

Ich unterbrach das lesen. „Ja. Ich hab sie doch abgenommen!“ nörgelte ich.

„Nee, Mama! Ab! Ab!“

Wurzelgnom entwand sich mir und ehe ich reagieren konnte, schnappte er sich meine Brille, rief „Ab! Ab!“ und brachte sie zum Schreibtisch, wo er auf den Stuhl kletterte und dann, vor meinen entgeisterten Augen, weiter auf den Tisch, um sie exakt dort hin zu legen, wo ich die Brille für gewöhnlich, in scheinbarer Sicherheit vor gierigen Kinderhänden, abzulegen pflege.

Zufrieden kehrte Wurzelgnom daraufhin zu mir zurück. Stolz wie Oscar…

Und ich war baff.

Nun weiß ich nicht so recht, ob ich auch stolz auf meinen Sohn sein soll, weil er weiß wo meine Sachen zu liegen haben oder es nicht angebracht wäre, mir sorgen darüber zu machen.

Besonders hinsichtlich der Tatsache das meine scheinbar sicheren Orte, überhaupt gar nicht sicher sind und ich es wohl Wurzelgnoms kulanz zu verdanken habe, das meine Brille noch nicht seiner Zerstörungswut zum Opfer gefallen ist!

Von wegen Sicherer Schreibtisch!

Von wegen, da kommt das Kind nicht dran…

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2 Gedanken zu “Die Brille

  1. ach jöö, dein junior ist echt putzig und scheint im moment eher den ordnungssinn deines mannes zu erben. ist doch gut, dann hast zwei männer im haus, die das machen 😀

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