Dialog mit Wurzelgnom

Mit einem 1 1/2 jährigen zu sprechen, das ist wirklich, als würde man eine völlig andere Sprache sprechen.

Früher hab ich mich immer ein wenig über Eltern gewundert, weil sie sich mit ihren Sprößlingen auf eine Weise unterhielten, als hätten die tatsächlich etwas gesagt. In meinen Ohren klang es nämlich einfach immer nur nach völlig unverständlichem Kaudawelsch.

Ja, liebe Leute.

Das ist ein Eltern-Kind-Geheimnis und funktioniert in etwa auf der selben Basis, wie man auch mit seinen Haustieren kommuniziert.

Da weiß man ja auch, dass dieses bellen oder miauen dafür steht, dass das Tier Hunger hat, raus möchte oder schmerzen hat etc.

Komisch eigentlich, dass mir das früher nie in den Sinn kam und ich es mir wesentlich einfacher vorgestellt habe, ein Tier zu verstehen, als einen kleinen Menschen …

Ich möchte das auch nicht all zu sehr vergleichen. Ein Kind tickt schon ein wenig anders als ein Tier. Aber ich schätze, der Vergleich ist für all jene, die keine kleinen Kinder haben oder kennen, absolut zulässig um in etwa zu verstehen, was ich meine.

Ein Dialog zwischen Wurzelgnom und mir, sieht übrigens gern mal so aus:

Wurzelgnom: „Papa!“

Ich: „Der Papa, der arbeitet, Schatz.“

„Tatütata! Papa, Tatütata!“

Wurzelgnom glaubt, dass sein Papa auch hauptberuflich bei Tatütata … Verzeihung, bei der Feuerwehr arbeitet. Wir lassen ihn in diesem Glauben, weil er nun wirklich noch zu klein ist, um zu begreifen, dass Papa noch woanders arbeitet und er nur bei der freiwilligen und nicht bei der Berufsfeuerwehr ist.

„Genau, Wurzelgnom. Papa arbeitet.“

„Dada?“

Dada, das ist neuerdings der Name für die Heroldin des Bösen. „Dada ist bei sich zu Hause. Die ist nicht mehr da. Und gerade arbeitet sie auch.“

„Dada … Brrrua!“

„Genau. Dada ist mit dem Zug nach Hause gefahren.“

„Oma? Brrruuuumm“

„Nein, Wurzelgnom. Die Oma holt dich heute nicht ab. Die … ist zu Hause. Die Oma hat Kopf-Aua und schläft in ihrem Bett.“

„Oma, aua?“

„Ja, Kopf aua.“

„Mama … Oma … aua! Brrrruuuumm. Oma!“

Übersetzung gefällig? Wurzelgnom findet, dass er und ich zu Oma mit dem Auto fahren sollten, weil Oma Kopfschmerzen hat. Sehr nett, oder?

„Das ist lieb von dir, dass du zu Oma möchtest um ihr bei ihrem Kopf-Aua zu helfen, aber die Mama hat doch gar kein Auto hier.“

„Papa, Brrruuumm. Tatütata.“

„Stimmt. Der Papa hat das Auto mit zur Arbeit genommen.“

„Papa?“

„Der arbeitet immer noch.“

Schweigen. Dann: „Wawa, aua?“

Ich nicke. „Ja, Wawa hat immer noch Aua im Bauch.“

Kurzes jammern. „Wawa, aua! Wawa …“

„Ja, leider. Aber vielleicht geht es B-Hörnchen ja bald wieder besser, hm?“

„Ja, Mama, ja. Wawa!“

„Und was machen wir jetzt?“

„Tatütata, Mama!“

„Also spielen. Dann ab ins Wohnzimmer mit dir. Mama kommt mit.“

„Mama, da! Da!“

„Danke, Wurzelgnom.“ Ich sammle meine Brille ein, auf die Wurzelgnom zeigt und die ich sonst auf dem Tisch vergessen hätte und folge zum Tatütata-spielen ins Wohnzimmer. Meine Brille bräuchte ich dazu eigentlich nicht. Aber Wurzelgnom besteht darauf, dass ich sie mitnehme und auch aufsetze, sobald er sie irgendwo liegen sieht ….

Wurzelgnom verfügt noch über kein großes Vokabular. Aber er nutzt bereits einzelne Wörter im Zusammenhang und fügt diese auf eine Weise zusammen, dass man den Sinn erahnen kann. Außerdem gibt er einzelnen, gleichen Wörtern unterschiedliche Klangfarben.

Tatütata zum Beispiel hat mehrere Bedeutungen:

  • Ich will Feuerwehrmann Sam gucken
  • Arbeitskleidung meines Mannes
  • Mein Mann arbeitet oder ist gerade bei der Feuerwehr
  • Sein Feuerwehrspielzeug
  • Ein Fahrzeug, mit Licht, wie bei einem Feuerwehrauto
  • Die Farbe rot

Jedesmal und je nach Kontext klingt das Tatütata anders und so versteht man rasch, was Wurzelgnom meint, will oder sonst wie möchte.

Auch die Betonungen variieren. Er merkt auf oder an. Er stellt fragen.

Nach wie vor bin ich überwältig live dabei zu sein, wie ein kleiner Mensch lernt, Sprache zu nutzen, um sich zu verständigen. Genauso fasziniert bin ich, dass Wurzelgnom und ich uns nicht nur mit einzelnen Worten, sondern auch mit Gestik und Mimik prächtig unterhalten können.

Natürlich fehlt es hier und da an Verständnis. Aber … Kommunikation im kleineren Rahmen, dass es einer richtigen Unterhaltung schon SEHR nahe kommt, die ist absolut möglich.

Jeden Tag kommen nun ein paar neue Dinge hinzu. Manchmal sind es Worte, manchmal Laute. Sein Verständnis für die Sprache als solche scheint von Tag zu Tag größer zu werden.

Ich freu mich auf mehr davon!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s