Wie man eben so lebt ….

Patin, mein Mann und ich sitzen mit Wurzelgnom am Tisch. Wir haben gerade gut gegessen und ich sehe dabei zu, wie Wurzelgnom eine Kartoffel aus seinem Essen fischt um sie kurzerhand B-Hörnchen in den Rachen zu werfen.

„Er mag die einfach nicht“, stelle ich zum … bestimmt tausendsten Mal fest. Dabei kann ich mich nicht zwischen Unleidigkeit und Stolz entscheiden. Ich bin schließlich auch kein Fan von Kartoffeln und esse sie nur in Aufläufen oder frittiert.

„Das liegt daran, dass es die selten bei uns gab!“ bemerkt mein Mann und ich beziehe das direkt auf die Zeit meiner Schwangerschaft.

„Dafür konnte ich nichts. Die haben meinen Blutzucker in die Höhe getrieben!“ wehre ich mich gegen den anscheinend nicht gut versteckten Vorwurf in der Stimme meines Mannes.

„Das meine ich nicht …“ beginnt mein Mann, aber ich lasse ihn nicht ausreden.

„Außerdem habe ich Kartoffeln gegessen. Fritten …. Kartoffelecken ….“

Nun unterbricht mich mein Mann: „Das sind gar keine richtigen Kartoffeln. Wir reden hier von richtigen, echten Kartoffeln! Stimmt doch Patin, oder?“

Die Patin nickt einvernehmlich. „Ganz genau, Tally!“

Ich schmolle. Ich wittere eine Kartoffelverschwörung!

„Außerdem hab ich das gar nicht gemeint! Es gibt da ein Zeitfenster, wo Kinder gerade mit der Beikost starten und alles Essen. Und da soll man ihnen auch alles geben, weil sie es dann schon kennenlernen und später lieber Essen. Und zu dieser Zeit gab es bei uns eben kaum oder gar keine Kartoffeln!“ nimmt mein Mann den Faden wieder auf.

Seitenblick von der Patin zu mir: „So ein Zufall!“

Ich verdrehe die Augen. Wurzelgnom hat zu der Zeit sehr wohl Kartoffeln bekommen. So auch so ziemlich alles andere. Brokkoli mag er deshalb allerdings auch nicht lieber …

„Also bei uns daheim gab es immer Kartoffeln“, bemerkt die Patin und mein Mann stimmt zu. Es entbricht ein wahrer Sturm bestehend aus diversen Kartoffelgerichten.

Meine Augen drehen sich nicht mehr, sie rollen.

„Himmel! … Er wird es überleben!“ werfe ich ein.

„Stimmt“, sagt die Patin. „Du lebst ja auch irgendwie. Also … wie man eben so lebt ….“

„… Ohne Kartoffeln“, ergänzt mein Mann trocken.

„Ich habe gerade welche gegessen!“ rufe ich empört aus und deute auf meinen kahlgefressenen Teller.

„In Scheibchen!“ erwidern die Patin und mein Mann. „Mit viel Gemüse drüber, damit man sie nicht mehr sieht.“

Ich geb’s auf!

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4 Gedanken zu “Wie man eben so lebt ….

  1. Yeah…. ich springe grad im Kreis – wir sind nicht die einzigen die Kartoffeln kaum zu Gesicht bekommen, nur frittiert oder in Aufläufen. Zum Unmut der Außenwelt. Ja richtig gelesen. Wir waren bei einer zusätzlichen „Schulprüfung“ und es wurde Kaufmannsladen gespielt. Wie Kartoffeln aussehen war klar, aber nicht was man daraus außer Pommes kocht oder so. Der Einwurf, wir haben kaum fast nie Kartoffeln auf dem Tisch, versetzte alle in Erstaunen. Und die treiben nunmal den Blutzuckerspiegel rauf (Deswegen hasst der Wunschmann sie auch, yeah und schmecken Kartoffeln wirklich so toll?)
    Liebe Grüsse

    Gefällt 1 Person

    1. Ha! Endlich! Reichen wir uns die Hände! Du bist die erste die ich jetzt kenne, die über die Kartoffel denkt, wie ich! Jeder mag die Dinger 🙄 manchmal komm ich mir unter meinen Freunden und Familie schon etwas einsam vor… So als Kartoffelverächter! Pellkartoffeln und so gehen gar nicht! Und nein… Ich finde die Kartoffel als solche gar nicht besonders lecker. Tatsächlich schmecken mir da Nudeln ohne Soße noch besser.

      Gefällt 1 Person

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