Tischmanieren

Wenn es ums Essen geht, dann sind Tischmanieren so ziemlich das Letzte an das man denkt, wenn man ein Kleinkind zu hause hat.

Jedenfalls ist das bei uns so.

Wir sind schon glücklich, wenn wir uns nach einer Mahlzeit nicht auch noch umziehen müssen. Das Wurzelgnom trotz Lätzchen neue Klamotten benötigt, ist Standard.

Von Essen mit Besteck sind wir gefühlt weiter entfernt als jemals zuvor.

Natürlich wird neben dem Essen auch Gabel und Löffel bereit gestellt. Beides dient bei Wurzelgnom aber nur dazu das Essen von a nach b zu schieben. Ritzen zu finden, wo man beides durchstecken kann. B-Hörnchen damit zu beschmeißen. Darauf herum zu kauen oder es wie ein Dirigent in der Luft herum zu schwenken. Letzteres besonders gern, wenn es doch mal geklappt hat und etwas essbares auf der Gabel oder dem Löffel gelandet ist. Das spritzt dann immer so toll und macht anscheinend mehr Spaß, als sich das Zeug in den Mund zu stecken. Außerdem hat man für das in den Mund stecken seine Hände.

Selbst wenn Wurzelgnom es doof findet, wenn die Hände kleben und er alle 5 Sekunden diese wieder sauber gemacht zu bekommen wünscht.

Was uns betrifft haben wir jegliche Versuche der Intervention aufgegeben seit die Trotzphase gestartet hat.

Ja. Besser war es.

Wurzelgnom hat nämlich seine eigenen Vorstellungen, wenn es darum geht, wie und wie viel gegessen wird und mischt man sich da ein, dann fliegt nicht nur das Essen, sondern auch alles andere in Reichweite. Und weiter essen macht man dann auch nicht mehr.

So einen Hungerstreik provoziert man reichlich schnell. Es reicht dem Kind eine Gabel statt einem Löffel gegeben zu haben. Oder der Versuch das Kind zu füttern, weil man hofft auf diese Weise etwas sauberer aus der Geschichte heraus zu kommen.

Füttern. Welch Frevel!

Uns ist freilich bewusst, das alles seine Zeit braucht. Aber ich habe schon 1 1\2 jährige gesehen, die wussten, wie man einen Löffel richtig benutzt.

Wurzelgnom steckt den Löffel meist immer noch mit dem Stiel voran in sein Essen. Unabhängig davon, wie oft wir ihm zeigen, wie es richtig geht.

Manchmal klappt es sogar. Aber nur mit viel Mühe und Geduld und niemals allein. Und die Voraussetzung dafür ist, das Wurzelgnom in der richtigen Stimmung ist.

Morgens ist das meistens nie der Fall. Der kleine Frühaufsteher hat nämlich morgens beim Frühstück selten gute Laune und wenn er sie hat, dann fehlt es an Geduld.

Nicht von unserer Seite aus! Wir haben gelernt geduldig zu sein, wenn es um unser Kind geht.

Aber Wurzelgnom will meist alles und das auf einmal und wird schnell sauer, wenn das so nicht funktioniert. Er neigt dann dazu rasch aufzugeben und will dann das Mama oder Papa übernehmen.

Tun wir aber nicht. Frustration gehört zum lernen eben einfach dazu. Wobei wir freilich gern etwas helfen.

Im Augenblick haben wir beschlossen, das wir Wurzelgnom beibringen möchten, dass er warten muss.

Denn, wenn Wurzelgnom seine Mahlzeit beendet hat (was schon nach 2 Bissen der Fall sein kann) findet er, das auch wir fertig mit Essen sein sollten.

Ungeachtet der Tatsache, das wir zu diesem Zeitpunkt manchmal noch gar nicht dazu gekommen sind überhaupt etwas zu uns zu nehmen.

Und dann beginnt der Terror!

Schreien, weinen, jammern und brüllen. Auf den Schoß, wieder runter. B-Hörnchen ärgern. Dinge ausräumen. Auf jedenfall überall dran gehen oder hinauf klettern, wo man nicht heran oder hinauf soll, weil es gefährlich ist.

Natürlich springen wir als Eltern dann alle paar Sekunden auf und von unserem Essen und dem ersten Kaffee weg.

Wurzelgnom ist glücklich, weil er so die Aufmerksamkeit bekommen hat, die er wollte. Wir aber schauen in die Röhre… Oder eher in die Tasse mit nur noch kaltem Kaffee oder auf ein steinhartes Stück Toastbrot.

Also üben wir nun. Wurzelgnom bekommt erklärt, das wenn er fertig mit Essen ist, er gern aufstehen und spielen gehen kann. Aber ohne Mama und ohne Papa, weil die nämlich noch Hunger haben und essen und trinken möchten.

Bei Erklärungen dieser Art bedienen wir uns Worten, von denen wir wissen, das Wurzelgnom sie versteht und ihren Sinn erkennt.

Er begreift auch tatsächlich was wir von ihm wollen bzw was wir für uns einfordern.

Dieses begreifen heißt aber nicht, das er damit einverstanden wäre. Nee. Überhaupt nicht!

Dann wird von unserer Seite aus ermahnt. Die Drohung für nicht Beachtung unserer Wünsche wenigstens ein Toast zu uns nehmen zu dürfen besteht übrigens darin, dass Wurzelgnom in sein Kinderbett gesetzt wird.

Das ist halb so grausam wie es klingt. Denn die Tür bleibt auf und Wurzelgnom kann uns von seinem Bettchen aus weiterhin sehen und natürlich auch anbrüllen.

Gestern funktionierte die Drohung so gut, dass er sich ein Buch geholt hat und Tatsache wartete, bis wir mit unserem schnellen Frühstück fertig waren.

Heute das ganze Gegenteil. Also setzte mein Mann ihn in sein Kinderbett, wo Wurzelgnom seinen Unmut heraus motzte.

Dabei bin ich ganz froh darüber, das Wurzelgnom bisher nicht heraus hat, wie einfach und simpel es ist, aus dem Bett heraus zu klettern. Andererseits wundert es mich auch, denn Wurzelgnom klettert bereits auf ganz andere Sachen, die wesentlich schwieriger zu besteigen und noch dazu höher sind.

Aber man soll ja nicht den Teufel an die Wand malen. Es kann gerne noch eine Weile so bleiben. Denn die Drohung „Kinderbett “ ist die einzige wirkliche Waffe, die wir im Kampf gegen den kleinen Trotzkopf derzeit haben!

Wurzelgnom hasst das Bettchen dermaßen, das die Ansage, das er dort hinein kommt, wenn er nicht gleich aufhört meistens tatsächlich ausreicht, damit ihm wieder Ohren wachsen, wo vorher scheinbar keine waren.

Dabei will ich anmerken, das wir unser Kind nicht wegen Nichtigkeiten bedrohen! Das Kinderbett kommt nur bei essentiellen Dingen zum Einsatz.

Z. B wenn er B-Hörnchen über Gebühr ärgert. Oder wenn er mit einer Tasse auf den Glastisch oder gegen Fensterscheiben hämmert. An Kabeln zerrt, die man leider einfach nirgendwo anders hin verlegen konnte. Und ja, manchmal eben auch, wenn er mit seiner trotzerei unsere elterlichen Nerven überstrapaziert!

Jedenfalls war Wurzelgnom heute Gefangener in seinem Bettchen und anstatt das mein Mann Wurzelgnom daraus befreit hätte, nachdem dieser mit Essen fertig war, schnappte er sich die Leine und ging mit B-Hörnchen gassi.

Entgeisterung auf Seiten von Wurzelgnom und teilweise auch von mir.

Das Protestgebrüll von Seiten des Kindes, als es sehen musste, wie Papa einfach das Haus verlässt kann man nur als ohrenbetäubend beschreiben. Ich verzichtete daher auf den Rest meines Kaffees und beschloss das arme Kind zu befreien.

Allerdings stand mir nun die Aufgabe bevor Wurzelgnom die Windel zu wechseln und ihn anzuziehen.

Ich blieb also zunächst vor dem Häufchen Elend stehen und begutachtete es. Aus einem Impuls heraus kniete ich mich hin und blinzelte Wurzelgnom an.

„Wurzelgnom… Magst du Windeln wechseln und anziehen gehen? Dann holt die Mama dich da raus.“

Ehrlich… Ich habe eigentlich nicht mit einer Reaktion gerechnet. Aber die, die ich bekam war herzallerliebst! Wurzelgnom nickte nämlich und kommentierte das ganze sogar mit „Ja, Mama“

Ui. Ich rechnete trotzdem mit dem gewöhnlichen Theater, welches bei uns Standard beim Windel wechseln ist. Tatsächlich aber war es traumhaft friedlich! Windel wechseln und anziehen gingen ganz harmonisch von statten. Und am Ende gab es sogar noch eine seltene Kuschelrunde!

Also, sollte es mit den Tischmanieren auch in Zukunft weiterhin nicht klappen, dann tröste ich mich eben damit, das vielleicht das Windel wechseln etwas angenehmer wird. Und mal ehrlich… Lieber fliegt mir das Essen um die Ohren als eine volle Ladung aus der Windel…

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5 Gedanken zu “Tischmanieren

  1. Ich erinnere mich dunkel… und verflixt, bin ich froh, dass meine groß sind! Übrigens, bei beiden wurde Essen richtig super, als sie mittags im Kindergarten gegessen haben. Da konnte man bei den Erzieherinnen Ruhm und Ehre gewinnen, wenn man ordentlich aß. Wer ordentlich aß wurde ausgezeichnet und durfte an einem der Tische ohne Erzieherin sitzen. Und Zack wurden die Nudeln nicht mit Hand auf die Gabel oder direkt in den Mund geschoben, sondern ordentlich mit dem Messer auf die Gabel.

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  2. Wirklich lustig geschrieben. 🙂 Einiges kommt mir ja schwer bekannt vor aus der Zeit, als meine Tochter noch klein war. Nur um ein kleines Beispiel zu nennen, habe ich des öfteren einen oder mehrer gelbe Säcke unter ihrem Stuhl ausgebreitet, um den Teppich nicht erneuern zu müssen. Insbesondere, wenn es Spaghetti mit Tomatensoße gab. Der Klassiker also. Diese wurden dann mit Vorliebe mit den Händen gegessen und das Ganze ergab dann ein herrliches Bild 🙂 Warum soll es Dir also anders gehen als mir und vielen anderen? 🙂 Später wirst Du mit einem Lächeln daran zurück denken. 🙂

    Liebe Grüße

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    1. 😂😂😂 wir haben Gott sei dank keine Teppiche. Das war uns in der alten Wohnung mit beiden Hunden eine Lehre! Ach, Keine sorge, ich jammere auch nur auf hohem Niveau 🤗 ich beobachte alles was Wurzelgnom derzeit macht oder nicht macht mit Vergnügen

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      1. Es macht Spaß dem zu folgen und mich dadurch zurück zu erinnern. Meine Prinzessin rollt immer mit den Augen, wenn ich ihr davon erzähle, doch auch sie kann sich ein Grinsen darüber nicht verkneifen. Seitdem meine drei Hunde das Kleinkinddasein (welches ja irgendwann ein Ende nimmt) abgelöst haben, gibt es bei uns auch keine Teppiche mehr. Es ist einfach zu schwierig ihnen das kleckern abzugewöhnen und man kann ihnen nur schwer das Füße abtreten und waschen anerziehen, bevor sie das Haus betreten 🙂

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