Zupf! AUA!

Haare zupfen. Ich glaube jede Frau kennt es. Jede Frau hatte schon mal eine Pinzette in der Hand, stand nah vor dem Spiegel, das Kinn angehoben, den Kopf hin und her gedreht und hat sich hier und da ein störendes Haar aus dem Gesicht gezogen, um der Männerwelt und sich selbst vielleicht auch, vorzugaukeln, dass Frauen in keinem Fall an Gesichtsbehaarung leiden, die man mit blossen Auge und auf den ersten Blick erkennen könnte.

Was ich nicht sagen kann, ist, ob es für jede Frau so gräßlich ist, wie für mich. Ich hasse es, mir Haare aus dem Kinn zupfen zu müssen und selbst nach Jahren der Übung, tut es mir immer noch weh! Mal abgesehen davon, dass das ist, als würde ich gegen Windmühlen ankämpfen. Die kleinen dunklen Borsten an meinem Kinn (wir reden hier von 5 sehr dunklen Härchen) kommen nämlich IMMER und IMMER wieder!

Egal wie penibel ich zupfe und selbst bei der Anwendung von Wachs für’s Gesicht … die bleiben einfach nicht weg und ich finde mich regelmässig alle zwei Wochen vor dem Spiegel wieder, um das Grauen aus meinem Gesicht zu reißen. Es gab Momente, da hat mich das dermaßen aufgeregt und verärgert, dass ich kurzerhand über eine Laserbehandlung nachgedacht habe. Die Vernunft siegte jedoch am Ende. So viel Geld für 5 kleine schwarze Borsten ausgeben, wenn man einfach nur ein paar Sekunden in der Woche mal ein bisschen zupfen muss? Blödsinn …

Allgemein gehöre ich zu den Frauen, die Körperbehaarung an sich als einfach nur lästig betrachten. Nicht, dass es da ist, sondern dass man von der Gesellschaft praktisch dazu genötigt wird, sich in regelmässigen Abständen der Prozedur zu unterziehen, ihr Herr zu werden! Mal ehrlich? Was geht Hinz und Kunz eigentlich meine Beinbehaarung an, die in den Bestzeiten den haarigen Beinen meines Mannes konkurenz machen könnten? Wer sieht, dass ich mir Sträuche unter den Achseln wachsen lasse, wenn ich mal wieder vergessen habe mir neue Rasierklingen zu kaufen und mein Mann laut „NEEEEIN“, kreischt, wenn ich Frage, ob ich seinen Gesichtsrasierer mal eben für meine Achseln ausleihen dürfte … solange ich sowieso nur langärmelige Oberteile trage?

Jedenfalls … alle Jubelmonate komme ich Gewissenhaft (oder auch weniger Gewissenhaft und eher schlampig) der Pflicht der guten Frau nach und kämpfe mich durch meinen persönlichen Haar-Dschungel. Meistens sehe ich hinterher auch aus, als sei ich Arnold Schwarzenegger nachdem er im tiefsten Kongo gegen den Predator gekämpft hat. Blutüberströmt, mit klaffenden Wunden und Kratzern am ganzen Körper. Und, ja, auch mit diversen blauen Flecken, weil ich mich in der engen, kleinen Dusche hoffnungslos verknotet habe, um auch ja überall heran kommen zu können.

Und jedes Mal hinterher, frage ich mich, wozu das Ganze? Fühle ich mich besser, nachdem ich meine Beine mit einer scharfen Rasierklinge gezüchtigt habe? Habe ich nun ein frisches Wonnegefühl unter den Achseln, welches mich in permanente Verzückung geraten lässt, sobald ich die Arme bewege?!? Empfinde ich mich als sauberer weil ich mir halb den Nacken verrenkt habe, um an gewisse andere Stellen heran zu kommen?!

NEIN! Blödsinn! Nix mit Venus am Strand, die sich sanft die samtenenen Schenkel entlang streichelt. Nix mit Achseln so zart, dass sie an einen Babypopo erinnern würden. Schwachsinn!

Meine Beine sind zerschnitten, die Schnitte tun weh und meine Achseln brennen mindestens zwei Tage lang als stünden sie in Flammen! Irgendwann, einige Tage später kommen dann die häßlichen, roten Pickelchen und es spielt überhaupt keine Rolle wie viel Hautcreme und Pflegeprodukte ich verwendet habe, um exakt das zu verhindern. UND dann, wenn der Spuk einigermaßen vorbei ist, man sich gerade wieder anfängt wohl in der Haut zu fühlen, wächst der ganze Käse auch schon wieder nach und es juckt und juckt und juckt! Und ich kratze und kratze und kratze. Und das war es dann auch mit Röcke tragen. Auf Schnitte und Kratzwunden kommt am Ende nämlich sowieso die bewährte blickdichte Strumpfhose!

Boah. Nerv. Ich wünsche mich zuweilen zurück in die Steinzeit! Da war es noch cool, wenn die Frau den längeren Bart trug!

Es gibt ja Frauen, die finden es geil, sich jeden Tag mit Rasierklinge und Pinzette zu bearbeiten. Also entweder haben die unheimlich tolle Haut, die das super ab kann, kein Schmerzempfinden oder sie sind Masoschisten. Abgesehen von der Zeit, die sie in dem Fall gern und oft im Badezimmer verbringen müssen. (Stell ich mir zumindest so vor.) Im Zweifelsfall mache ich auch einfach nur irgendetwas falsch. Alles möglich. Ich persönlich hasse es, finde es affig oder sogar affektiert und plädiere für „Back to nature!“ Das erspart neben Arbeit und Zeit auch direkt das Desinfektionsspray und die Pflaster.

Aber, wie es so ist, schaffe selbst ich es immer nur für eine Weile meine Haarberge zu ignorieren, ehe ich mich doch wieder mit gezückter Rasierklinge in der einen und Rasierschaum in der anderen Hand unter der Dusche wieder finde. Der Gesellschaftszwang ist zu groß und ich tröste mich einfach damit, dass ich immer viel Zeit zwischen den Malen verstreichen lasse. Ich Rebell ich.

Was ich aber in keinem Fall jemals tun werde, bzw. wieder tun werde, ist irgendwen an meine Augenbrauen heranlassen. Also echt! Was zu viel ist, ist zu viel! Ein einziges Mal in meinem Leben, habe ich mir die Augenbrauen zupfen lassen und es war die Hölle. Abgesehen davon … völlig unnötig. Ich habe von Natur aus schöne Augenbrauen. Und das hier und da ein Haar zu viel ist, stört mich und meine Umwelt nicht die Bohne.

Vor einigen Jahren geschah folgendes:

Ich arbeitete, bevor ich meinen eigenen Laden hatte, als Nageldesigner (ja! So nennt man das tatsächlich! Nicht NAGELTANTE!) in einem Friseursalon. Neben der Tatsache, dass die dortigen Damen mich ständig dazu anhielten, mir doch endlich mal die Haare schneiden zu lassen, wurde ich jeden dritten Tag darauf aufmerksam gemacht, was für wunderschöne Augenbrauen ich doch hätte. Man fragte mich auch des Öfteren wie oft ich diese zupfen würde und wie ich diese Form hinbekäme, die da doch so natürlich wirken würde. Das allgemeine Entsetzen das Friseurdamen war unendlich groß, als ich ihnen irgendwann einmal mitteilte, dass ich meine Augenbrauen in meinem ganzen Leben noch kein einziges Mal gezupft hätte und das die einfach mal eben so gewachsen sind. Ungläubiges staunen. Verwirrung meinerseits, weil ich die Aufregung um zwei simple Augenbrauen einfach nicht nachvollziehen konnte. Gab’s denn nix wichtigeres?!

Friseurdame 1: „Aber … das kann doch gar nicht sein!“

Ich: „Ja, doch. Das kann sehr wohl so sein.“

Friseurdame 2: „Das musst du ganz dringend ändern, Tally! Das geht doch nicht.“

„Natürlich geht das. Ihr seht doch, dass das sogar sehr gut geht.“

Friseurdame 3: „Wenn sie nicht mag, lasst sie halt. Sie hat ja von Natur aus schon sehr schöne Augenbrauen. Man könnte sie natürlich NOCH schöner machen … aber sie will sich ja auch nicht die Haare schneiden lassen!“

Von wegen. Ich hätte mir gern die Haare machen lassen. Aber ich sah einfach nicht ein 50 Euro für einen Stufenschnitt auf den Thresen zu legen! Ich lächelte schmal.

Friseurdame 4: „Ich könnte dir die Augenbrauen umsonst zupfen. Es würde hinreissend aussehen!“

„Eh … nee. Danke. Wirklich nicht. Ich bin sehr schmerzempfindlich.“

2: „Na, wer schön sein will, der muss auch ein bisschen leiden.“

„Ich will nicht schön sein“, lächelte ich zuckersüß. Tatsächlich habe ich nie viel Wert darauf gelegt … ’schön‘ zu sein. Eher im Gegenteil. Klingt komisch? Ist aber so. Man fällt weniger auf und hat definitiv mehr Ruhe, wenn man nicht ständig aussieht wie aus dem Ei gepellt. Manche mögen das, ich eher nicht. Außerdem schocke ich Menschen gern. Nichts ist lustiger, als ständig herum zu laufen, wie der letzte Lumpen, nur um an irgendeinem Tag vor die Tür zu treten und auszusehen, wie die Ballkönnigin 1.0.

Kurzes Schweigen. Dann Nr. 4: „Ehrlich. Ich bin ganz sanft. Das wird nicht weh tun und du musst nichts dafür bezahlen.“

„Nein.“

4: „Oh, bitte! Das wird toll!“

„Nein.“

4: „Bitte!!!“

„Nein!“

3: „Du wirst aber nicht drumherum kommen…“

„Wieso das?“

1: „Weil wir demnächst verkaufsoffenen Sonntag haben. Da muss hier jeder astrein aussehen. Wir haben einen Namen und wir müssen unseren Ruf wahren. Das geht nicht, dass hier jemand sitzt, der weder die Haare gemacht noch die Augenbrauen gezupft hat.“

Wa ….? Hä? Eh. ich öffnete den Mund, wurde aber direkt unterbrochen: „Wir machen dir auch einen fairen Preis, für die Haare“, teilte mir Nr. 3 gönnerhaft mit.

„Na und … wenn ich nicht will?“, forschte ich nach.

2: „Dann darfst du am Sonntag nicht kommen!“

Das war eindeutig Erpressung. Verärgert und weil die Damen am längeren Hebel saßen, ich vielleicht zu dieser Zeit auch noch nicht das Durchsetzungsvermögen von Heute hatte, stimmte schließlich zu. Die Damenschaft freute sich, ich war sauer.

Die Frisur, die man mir verpasste war okay. Zu kurz für meinen Geschmack. Von Popolänge mal eben auf Schulterlänge runtergestutzt. Etwas, was ich von vorneherein sehr deutlich abgelehnt hatte. Aber … sitzt man erst mal auf dem Friseurstuhl hat man sowieso kaum noch ein Mitspracherecht und ist Kamm und Schere des jeweiligen Friseurs hilflos ausgeliefert. Mitten drin aufspringen wäre am Ende ja auch nix.

Das Augenbrauenzupfen war furchtbar. Zumal mir Friseurin Nr. 4, welche mir die Augenbraue zupfte, versicherte, ich müsste das danach auf jedenfall Regelmässig machen lassen.

Ich weinte, ich schrie, ich jammerte und nieste. Zupf! AUA! Zupf! AAAAH! Ich bin mir sicher, ich habe in der Stunde, in der an meinem Gesicht herum gezupft wurde, den halben Laden zusammengebrüllt. Augenbrauen zupfen, dass ist echt nur was für die ganz Harten. Ich zumindest bin definitiv zu schwach.

Und ganz ehrlich? Der Unterschied danach war minimal. Ich fand es sogar einen touch häßlicher als vorher. Aber die Frisuerinnen waren zufrieden.

Weniger zufrieden waren sie, dass ich mich danach vehement gegen weitere Zupfereien zur wehr setzte und flüchtete, sobald Nr. 4 mit ihrer Pinzette hinter mir auftauchte.

Kurz vor Weihnachten bekam ich schließlich die Kündigung.

„Es tut uns Leid, Frau S. Aber sie passen irgendwie einfach nicht zu uns und unseren Laden!“ erklärte man mir höflich distanziert.

Ich verkniff mir die Frage, ob es wohl an meinen Augenbrauen liegen könnte und suchte mir meinen eigenen Laden, wo ich ganz ungehemmt wie ein Troll zur Arbeit erscheinen konnte, ohne das mir eine verrückte Friseurin mit der Pinzette hinterher rannte.

Daher ihr lieben, bleibt es bei mir so, wie es immer gewesen ist. Nur nicht übertreiben!  Und die Pinzette? Bleibt für die 5 Härchen an meinem Kinn. Punkt.

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13 Gedanken zu “Zupf! AUA!

  1. Ich habe leider wuchernde Augenbrauen. Ich fing erst vor …. wann war das … vielleicht vor 10 Jahren an, sie zu zupfen. Und es ist besser, denn ich sehe mit ungezupften Brauen irgendwie verschlafener aus. Diese verflixten Härchen wachsen eben nicht nur da, wo man Augenbrauen erwartet… Am Anfang tat es hölle weh, aber jetzt merke ich kaum noch was. Und Barthaare zupfe ich schon eeeeeeeeeewig. Und schon eeeeeeeeewig mehr als 5. Leider 😩! Ich denke auch schon eine Weile übers Lasern nach aber erstens kommen mit hormoneller Veränderung im Alter neue wieder und ich habe mal gehört, dass man sie für erfolgreiches Lasern erst alle wachsen lassen muss. Das halte ich nicht aus! Ich gehöre schon zu den Frauen, die verzweifeln, wenn sie verreisen und ihre Pinzette vergessen. An den Beinen stören die Haare mich kaum. Nur wenn ich mich schick mit Rock oder Kleid mache, kommen sie weg. Meine sind so dunkel, dass man sie durch die Strumpfhose sieht. Aber die epilliere ich dann auch, tut zwar weh, aber ich habe für Wochen Ruhe und das Nachwachsen ist nicht so unangenehm wie wenn rasiert…

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  2. Mir ist vor ca. zwei Jahren erst klar geworden, dass ich mich komplett überall jeden zweiten Tag rasiere, weil mir die Gesellschaft das vorschreibt unter dem Vorwand, es sei hygienisch. Was ist bitte daran hygienisch, wenn man sich schneidet, es brennt, juckt, auch Pickel bilden und die Haare erst einwachsen und dann im besten Fall noch rauseitern?!?
    Seit dieser Erkenntnis lasse ich alles wachsen. Außer mir wächst eine Borste auf der Nase, die rupfe ich raus weil sie mich irre macht xD

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      1. Stimmt. Meine verrosten ständig in der Dusche, weil ich sie NATÜRLICH stets dort liegen lasse. Schon mal Achselhaare mit einer verrosteten Rasierklinge abgesäbelt …. funktioniert! Geht aber mehr in Richtung epilieren. Ergo, unlustiger als sowieso schon xD

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    1. Es ist lustigerweise in unserer westlichen Welt eigentlich gar nicht SO hygienisch. Besonders die Intimrasur kann man nicht aufgrund von Sauberkeit oder Hygiene empfehlen. Eher im Gegenteil. Ein Grund wieso schwangeren Frauen geraten wird das doch bitte sein zu lassen. Bakterien und Keime finden so nämlich viel schneller ihren Weg ins Körperinnere. Wenn man in Ländern lebt die sehr, wirklich sehr heiß sind, wie z.B. Indien kann ich die komplett Rasur durchaus nachvollziehen. Aber dort haben sie ja auch noch mal ganz andere praktiken zur Haarentfernung als hier ^^!

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  3. Mit fünf Haaren am Kinn kann ich nicht dienen, aber mit ein paar nervigen solchen am Hals. Ich glaube, ich mache das wie Du. Das Nötigste. Es gibt ja auch interessante Überlegungen, warum in unserer Gesellschaft alles glatt sein muss. Ich weiß gerade nicht mehr, wer es war, der darüber sinniert hat… Ha, doch gefunden! http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/byung-chul-han-philosophie-neoliberalismus
    Interessante Gedanken, wie ich finde…

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  4. Ich rasiere mich gar nicht. Völlig unnötig. Zu einem habe ich gar nicht so viel Haar unter den Armen und an den Beinen. Die auf den Atmen sind so hell, die sieht man kaum. Ein Bärtchen habe ich nicht, nur eine einzige lästige Borste, die gezupft wird. Und meine Augenbrauen! Himmel! Da kommt mir keiner dran! Und ich lasse mich da auch nicht erpressen!

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