Der Mann der nie krank wird

Mein Mann ist relativ wiederstandsfähig, wenn es um Krankheiten geht. Er wird tatsächlich selten krank. Und wenn, dann ist es entweder zum Sterben schrecklich oder solala. Solala sage ich deshalb, weil mein Mann der Meinung ist, so lange er nicht im Bett liegen muss, weil es ihm so schlecht geht, sei er auch nicht richtig krank. Punkt.

Alles in allem würde ich behaupten, mein Mann ist mit einem normal bis gutem Immunsystem ausgestattet, welches dafür sorgt, dass er 1-4 mal im Jahr krank wird. Meistens kleinere Erkältungen, die er einfach postwendend wegignoriert, auch wenn er nebenbei Hinz und Kunz damit ansteckt. Vornehmlich steckt er natürlich MICH an …

Am Ende eines Jahres, mit dem Saftglas in der Hand, beim Prost zum Neujahr, zieht er Bilanz und verkündet dann allen die es wissen wollen und auch denen, die es im Grunde nicht wissen wollen, dass er erneut ein Jahr überstanden hat ohne auch nur einmal richtig krank geworden zu sein. Denn, seine Worte: „Ich werde nicht krank, weil ich nicht krank sein will!“ (Ah, wie viele Krankheiten hätte ich mir schon ersparen können, wenn dieser Satz bei mir auch so einwandfrei funktionieren würde!)

Wenn ihm dann alle Sylvestergäste herzlichst zu seiner unheimlichen Gesundheit gratuliert haben, bekomme ich den Arm umgelegt und das mit den liebevollen Worten: „Ich habe eben ein sehr gutes Immunsystem. Ganz anders, als das schwache von Tally!“

Das ist der Moment, wo ich mir denke, dass mein Mann zuweilen an einer Wahrnehmungsstörung leiden muss. In den letzten drei Jahren, war mein Mann nämlich definitiv sehr viel öfters krank als ich. Und auch ansonsten ziehen wir meistens eher gleich, was diverse Erkältungen oder auch mal eine Grippe angeht. Was ich ihm dabei zugestehe, ist, dass er die meisten Erkrankungen viel leichter wegsteckt als ich. Mich erwischt es nämlich meistens so schlimm, dass es mich komplett aus der Bahn wirft, während er, schulterzuckend, einfach weiter arbeiten geht. Auch gestehe ich ihm zu, dass er alles in allem gesünder ist, da er unter weniger chronischen Grunderkrankungen leidet als ich. Eine Neurodermitis gegen eine Erkältung aufzuwiegen ist aber neben sinnlos definitiv total unfair! Und eine Wurzelbehandlung ist keine blöde Grippe und kann daher ebenfalls nicht als eine Erkrankung gewertet werden.

Im Regelfall gibt mir mein Mann dahingehend recht. In seinen umnachteten Prollmomenten aber, wo er damit angibt ja nie krank zu werden, vergisst er solche Tatsachen gerne mal. Dann war ich MINDESTENS 10 mal krank, weil ich zum Zahnarzt musste oder einen Neurodertmitisschub hatte.

Derzeit sage ich gern, wir sind hier alle krank. Dann ernte ich einen schrägen Blick von meinem Mann. Ich sehe, wie er die Lippen schürzt und ich weiß genau, was im nächsten Moment kommen wird. Und … da kommt es auch schon: „Ich bin nicht krank.“ Nebenbei fummelt er ein Taschentuch hervor um sich die Nase zu putzen und seine Stimme klingt nach 50 Jahren zigarettenrauchen. Die Wand hat mehr Farbe als er und er blinzelt immer mal wieder aufgrund der dicken Tränensäcke unter seinen Augen.

„Du bist krank“, kommentiere ich nüchtern. „Und theoretisch wie praktisch solltest du hier zu Hause bleiben. Im Bett. Anstatt zu arbeiten. Du wirst einen fiesen Rückfall bekommen und uns im schlimmsten Fall alle von neuem Anstecken!“

„Nein! Ich will nicht krank sein, also bin ich auch nicht krank und noch geht es mir nicht schlecht genug, um nicht mehr arbeiten zu gehen“, wird mir kurzerhand erklärt und alles andere einmal mehr wegignoriert.

Die nächsten Tage gestalten sich in einem solchen Fall ähnlich oder gleich und wann immer mein Mann murmelt, er habe ja Halsweh oder starke Kopfschmerzen und sei ach so erschöpft und ich anmerke, dass das normal sei, weil er ja verdammt noch mal KRANK sei, wird exakt diese Tatsache einfach weit von sich geschoben. Nein, mein Mann wird NIE krank!

Sein nicht krank sein, ging sogar so weit, dass er, als ich mit Grippe flach lag, sich selber nicht krank schreiben lassen wollte, weil er dies als unehrlich gegenüber seiner Arbeitstselle empfunden hätte. Schließlich ginge es ihm ja, bis auf die argen Halsschmerzen und der leichte Schnupfen, noch immer ganz gut. Seine Ignoranz mir gegenüber und der Hilfsbedürftigkeit meinerseits in diesem Moment, hat dafür gesorgt, dass ich einen regelrechten Wutanfall im Auto bekam. (Er lebt noch,  weil ich zu schwach zum erwürgen war.) Netterweise sah die Ärztin bei der wir waren es genau wie ich, nachdem sie meinen Mann ebenfalls untersucht hatte und als er sich erneut zweifelnd über eine notwendige Krankschreibung äußerte, bekam er direkt einen zweiten Einlauf von der Ärztin, mit dem Vermerk, wie er sich das vorstellen würde und wer sich denn ums Kind kümmern würde, wenn ich nicht könnte. Und ich konnte definitiv nicht. Selten habe ich meinen Mann so peinlich berührt da hocken sehen und mit leicht eingezogenem Schwänzchen, nahm er brav die Krankschreibung und kümmerte sich wirklich ganz super und toll ganze 4 Tage lang völlig alleine um unseren Sohn! Damit hat er seinen fauxepaxe im Vorfeld, in meinen Augen, wieder gut gemacht. (Vorhalten werde ich ihm das dennoch bis zum Rest seines Leben. Einfach weil ich eine Frau bin und weil ich solche Sachen nicht vergesse!)

Diese Ehrlichkeit seiner Arbeitstelle gegenüber ist sicher toll und auch ganz nett, aber manchmal übertreibt er definitiv. Und das auf Kosten seiner eigenen Gesundheit. Zumindest, wenn man mich fragt. Meine Mutter brachte da ein wenig mehr Verständnis auf. Schließlich sind viele Jobs heute nicht mehr so sicher, wie es früher vielleicht einmal gewesen ist und zu oft auf der Arbeit krank sein, kann eine baldige Kündigung nach sich ziehen. Gut. Sehe ich ein. Aber so wenig wie mein Mann in den Jahren, die er nun schon bei seiner Firma arbeitet, krank gewesen ist, hätte er sich gut und gerne auch 2 Wochen krank schreiben lassen können und es hätte zu 100% kein Hahn danach gekräht. Mal davon ab, dass er ja NICHT nicht krank war! Er wollte nur mal wieder einfach nicht krank sein. Örks.

Es gibt wirklich wenige Eigenschaften, die mich an meinem Mann zuweilen nerven. Aber diese Sache gehört definitiv dazu. Mal ganz davon abgesehen, dass ich seine Einstellung für nur bedingt gesund halte und mir des Öfteren ernsthaft Sorgen über die Folgen mache. Noch ist er ja relativ jung. Aber irgendwann wird sich sein Körper ganz sicher dafür rächen, dass er sich nie richtig erholt.

Natürlich hat mein stets gesunder Mann die Krankschreibung nicht verlängern lassen und ist, nach dem verlängerten Wochenende, bei dem er das Kind hütete und selbst keine Sekunde zum Ausruhen gekommen ist, wieder arbeiten gegangen. Nun schleppt er sich schon die ganze Woche auf die Arbeit und ich sehe interessiert dabei zu, wie es ihm von Tag zu Tag ein wenig schlechter geht.

Bisher waren alle Überzeugungsversuche, dass er sich doch jetzt bitte noch mal krank schreiben lassen sollte vergebene Liebesmüh. Es bleibt bei den Sätzen: „Nicht krank genug!“ und „So schlecht geht es mir noch nicht!“ oder „Ich will nicht krank sein.“

Fein. Da bleibt mir nur zu hoffen, dass er nicht eines Tages irgendetwas wirklich bösartiges verschleppt. Und mir bleibt nichts anderes übrig, als ihn Tag ein und Tag aus ziehen zu lassen und darüber zu nörgeln und zu meckern.

Auch heute ist mein Göttergatte brav zur Arbeit (schniefend und hustend) und als ich vorhin hoch in den Wickelraum gelatscht bin, um meinem Sohn eine frische Windel zu verpassen … da sehe ich DAS!

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Was zum Henker …?! Mein erster Gedanke ist: Schreck lass nach, da hab ich doch glatt eine Bananenschale im Zimmer verge …. moment ….

Also … erst einmal … ich esse keine Bananen. Also, ich esse sie schon. Im Müsli z.B. aber nicht einfach mal so und ein Müsli bereite ich mir nicht im Wickelzimmer unseres Sohnes sondern in der Küche zu. Und das nicht nur weil es praktischer ist …

DAS ist gar nicht MEINE Bananenschale!

Es braucht einen weiteren kleinen Moment, bis ich einsehe, dass es auch nicht unser knapp 9 Monate alter Sohn gewesen sein kann und das mein Mann diese Bananenschale ernsthaft im Zimmer unseres Sohnes vergessen haben muss. Mein so ordnungsliebender, müll- und dreckverachtender, pingeliger, obersauberer, beinahe immer putzender Ehemann … hat … eine … Bananenschale … liegen lassen!

Als ich sie mit spitzen Fingern vom Schrank nehme, klebt sie bereits daran fest. Er hat sie nicht nur liegen lassen, die liegt auch schon etwas länger als einen Tag dort!

Sofort mache ich ein Foto zum Beweis und schicke es augenblicklich mit diebischer Freude via Whatsap an meinen Mann und das mit den Worten: „Kannst du mir DAS da erklären?!“ Innerlich tanze ich Samba! Meinen Mann bei solch einer Schandtat zu erwischen, das ist beinahe gleichbedeutend mit einem sechser im Lotto. Nur leider ohne das Preisgeld.

Es dauert einen Moment, dann folgt die Antwort: „Oh Gott! Die hab ich gestern liegen gelassen und vergessen! Schatz?! Ich glaube … ich bin wirklich krank ….“

WTF?!

Toll. Endlich sieht er es ein! Aber nun ist Freitag und das Wochenende steht vor der Tür. Natüüürlich kann er JETZT krank sein. Zumindest die nächsten zwei Tage und dann heißt es wieder: „Ich bin gar nicht krank!“ – Böh.

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13 Gedanken zu “Der Mann der nie krank wird

  1. Erinnert mich spontan an meine Ehe. Meine (Noch-)frau hat sich auch immer gesorgt, ich würde mich nicht von Krankheiten erholen. Ist auf jedenfall ein sehr symphatischer Beitrag und beim lesen fühlte ich mich an die ein oder andere Situation aus meinem eigenem Leben erinnert. 😉

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      1. Danach leben wir 🙂 Funktioniert seit bald 16 Jahren auf diese Weise. Das A und O ist die richtige Kommunikation! Und die Macken des anderen ebenso zu akzeptieren, wie die eigenen. Die dürfen auch mal nerven. Gehört genauso dazu 🙂

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      2. Damit wird man nicht geboren ….das lernt man im Laufe seines lebens. Nur weil es einmal nicht funktioniert hat, muss es beim nächsten Mal nicht genauso sein … also …Kopf hoch, weiter machen!

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      1. …. ich gehöre zu der Sorte, die der Meinung ist: Wenn ich niese und danach ein Taschentuch brauche, dann bin ich krank und muss zu Hause bleiben ^^!!! Und wenn ich das nicht tun kann oder tatsache aus Pflichtgefühl heraus nicht tue, leide ich höllenqualen, weil ich ja krank zur Uni/Arbeit gehen muss. ^^! Wie mein Mann das zuweilen schafft, finde ich neben bewunderungswürdig eben auch sehr fraglich. Zumal er die meisten Erkrankungen ja auch von der Arbeit mit Heim schleppt, weil dort mal wieder wer krank zur Arbeit gedackelt ist. Dann meckert er … aber selbst? Niiiicht die Bohne besser :p

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