Himbeer-Schmand-Lasagnie!

Am Freitag rauschte die Nordlichterfamilie meines Mannes an. Glücklich wie ein Mops in der Küche, teilte mein Mann mir mit, es würde ja auch Kaffee und Kuchen geben. Gegen den Kaffee hatte ich ja nichts einzuwenden. Aber Kuchen?! Nicht, das ich irgendjemandem seinen Kuchen madig machen wollte, aber ich sah vor meinem geistigen Auge, wie ich sabbernd mit am Tisch sitzen würde, mich an der Kaffeetasse festhaltend und dabei zusah, wie man sich süßen, leckeren Kuchen in den Rachen stopfte.

„Keine Sorge, Schatz“, sagte mein Mann. „Du verpasst da nichts. Es ist bloss ein Marmorkuchen!“

Hmmm. Marmorkuchen! Ich liebe Marmorkuchen. Von wegen nichts verpassen! Sollte ich einen Ausnahmetag einlegen? Jetzt schon? So kurz vor dem Straußenfarmbuffet?!

An diesem Morgen zeigte mir die Waage eine leichte 86,0 an. Sollte ich das gefährden? Ich rang mit mir und entschloss: NEIN! Auf gar keinen Fall. Ich würde stark bleiben. Ich wusste aber auch, wenn ich erst einmal am Tisch saß und versuchte stark zu sein und der Versuchung des Marmorkuchens zu wiederstehen, würde ich am Ende doch schwach werden. Ich brauchte eine süße Alternative. Etwas, was auch ich zum Kaffee essen konnte und mich in etwa so sehr befriedigte, wie ein verdammter Marmorkuchen.

Die nächsten Stunden verbrachte ich am PC und suchte ein Rezept für eine Süßspeise mit möglichst nur 600 Kalorien. Das ist übrigens gar nicht so schwierig, wie man meinen würde. Das Problem ist eher, das die Rezepte schwierig sind. Oder sagen wir, die Zutaten, die man mal wieder so adhoc einfach nicht im Haus hat oder von denen man beim besten Willen nicht weiß, woher man sie bekommen soll! Und dann braucht man so extrem wenig von diesen exotischen Inkredenzien, dass man einen haufen Geld ausgibt, für Sachen, die danach im Schrank verstauben. Abgesehen davon waren die meisten Sachen, die ich fand, Dinge, die man backen musste. Und … ich kann nicht backen. Theoretisch wäre ich ja allein aus gier heraus bereit gewesen, es einmal mehr zu versuchen und meinen Schwur es nie wieder zu tun über Bord zu werfen. Wenn die Rezepte nur ein wenig einfacher gewesen wären und die Zutaten nicht teuer und selten.

Kurz bevor ich bereit war die Sache ad acta zu legen und aufzugeben, entdeckte ich dann endlich ein Rezept, welches nicht gebacken werden musste und von dessen Zutaten mir nur eine einzige Sache unbekannt war. Juhu! Ich entschloss mich, das mache ich! Ich schnappte mir die Heroldin des Bösen, verließ Mann und Kind und machte mich auf den Weg in den nächsten Supermarkt.

Was ich brauchte war folgendes:

Für 7 Portionen

  • 300 TK-Himbeeren 
  • 40 + 50 g Zucker 
  • 1   Bio-Zitrone 
  • 250 Schmand 
  • 125 Schlagsahne 
  • 1 Packung (200 g)  Butterkekse 
  • 125 Lemon Curd (Glas) 

Was ich nicht fand, war das Lemon Curd. Ich wusste zunächst auch gar nicht, was das genau ist und musste zunächst ein wenig recharchieren. Schließlich suchte ich irgendetwas ähnliches. Zitronengelee oder Zitronenmarmelade (die ich ungelogen einen Tag später aufgrund einer Aldi-Aktion doch noch fand. Leider zu spät!) und kehrte mit einer Himbeer-Bananen-Marmelade nach Hause zurück. Ich war mir sicher, das würde es auch tun.

Meine Suche nach einer Bio-Zitrone war auch nicht sonderlich erfolgreich. Nicht, dass es keine gegeben hätte … es gab sie nur einfach nicht einzeln zu erwerben. Und was zum Teufel soll ich mit einem ganzen Sack Zitronen?! Daher wurde es Zitronenaroma und schon fertig abgepackte Zitronenschalen aus der Backabteilung.

Bei den Butterkeksen griff ich zu einer Packung mit 30% weniger Zucker und den Zucker ersetzte ich komplett durch sündhaft teure Biossüße. Ich glaube es nennt sich Eythrit?! Jedenfalls habe ich für das Zeug 10 Euro bezahlt, nur um einige Tage später festzustellen, dass die selbe Menge in einem anderen Laden nur 5 Euro kostet. Gna! – Lehrgeld gezahlt.

Mit einer vollen Tüte kehrte ich dann zurück nach Hause und machte mich direkt ans Werk.

  1. Himbeeren auftauen lassen und durch ein Sieb streichen. Das Himbeerpüree mit 40 g Zucker verrühren und zugedeckt kalt stellen.

Also, Himbeeren auftauen lassen. Dazu hatte ich natürlich keine Zeit. Also hab ich die Himbeeren zum auftauen in die Mikrowelle verfrachtet und auf 18 Minuten gestellt. Hat funktioniert. Ein Sieb fand ich ebenfalls irgendwo in einem der Küchenkarton und machte mich direkt ans Werk. Ehrlich gesagt … das war eine riesige Schweinerei. Überall flogen kleine Kerne herum und es spritzte roter Himbeersaft durch die Gegend. Mein Mann, der zuvor die Küche geputzt hatte, war relativ undankbar und weinte bittere Tränen, als er versuchte hinter mir her zu putzen. Wieso er nicht gewartet hat, bis ich fertig war, ist mir schleierhaft. Dann hätte ich nämlich selbst alles weggeputzt!

Anstatt des Zuckers habe ich 50 g Biosüße verwendet.

 

Und ab in den Kühlschrank damit. Diesen habe ich zuvor ein wenig umräumen müssen, damit alles seinen Platz findet.

2. Zitrone heiß waschen, abtrocknen und Schale fein abreiben. Zitrone auspressen. Schmand mit dem Schneebesen des Rührgeräts ca. 2 Minuten cremig aufschlagen. 50 g Zucker, Zitronensaft und -schale unterrühren.

Tja. Wie gesagt. Aufgrund des Mangels an einer frischen Bio-Zitrone sind bei mir Zitronenaroma und geriebene Zitronenschalen in die ganze Sache hinein gewandert. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob der Schmand, der bei mir nach 2 Minuten aufschlagen, herausgekommen ist, wirklich als Cremig bezeichnet werden kann. Ich würde eher sagen, es war sehr flüssig und suppig. Statt des Zuckers verwendete ich 60 g Biosüße.

3. Ca. 10 Minuten kalt stellen. Sahne steif schlagen und unter die Schmandcreme heben.

Das war einfach. Dank meinen diversen Versuchen Teramisu herzustellen, wusste ich immerhin, was man meint, wenn man schreibt: Bitte unter heben!

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Danach war die Geschichte auch nicht mehr ganz so suppig, sondern ging endlich in Richtung Creme. Ich schöpfte also Hoffnung, dass mein Werk etwas werden würde.

4. Den Boden einer Form (ca. 18 x 18 cm; Rand 5 cm hoch) dünn mit Zitronen-Schmand-Creme bestreichen. Im Wechsel Butterkekse (evtl. für die Form passend in Stücke brechen), Himbeerpüree und Schmandcreme in die Form schichten.

Natürlich fand ich keine kleine Form, sondern nur eine riesige, die eigentlich für Aufläufe gedacht war. Egal. Wird schon passen, dachte ich mir. Passte auch. Allerdings war die Sache mit dem Schichten nicht mehr ganz so perfekt. Insgesamt schaffte ich nur zwei Schichten, dann hatte ich nix mehr zum Schichten übrig.

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5. Als letzte Schicht Schmandcreme daraufstreichen und Lemon Curd in Klecksen darauf verteilen. Leicht in die Schmandcreme einrühren. Mindestens 2 Stunden kalt stellen und durchziehen lassen.

Wie erwähnt konnte ich keinen Lemon Curd finden. Also erwärmte ich etwas Marmelade und klekste diese als Topic drüber. Das hat auch funktioniert. Am Ende habe ich noch Kokosrapseln und ein paar Schokoraspeln über die ganze Sache drüber gegeben. Das Ergebnis konnte sich immerhin sehen lassen!

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Ich stellte alles in den Kühlschrank zum Backen auf Kältestufe 3. Und was soll ich sagen?! Es ist mir tatsächlich gelungen. Am nächsten Tag war alles fest und als die Familie meines Mannes da war, Kaffee und Kuchen kredenzt wurde, da war mein Blech am Ende leer und vom Marmorkuchen mehr als die Hälfte übrig! Ha! Mein Schwiegerdrache wollte sogar das Rezept haben! Gibt es eine schönere Möglichkeit, als die Kühlschrankbackkunst der Schwiegertochter zu honorieren?! Ich glaube nein. Und zugenommen habe ich davon natürlich auch nicht.

Ernährungsinfo

7 Portionen ca. :

  • 350 kcal
  • 4g Eiweiß
  • 16g Fett
  • 45g Kohlenhydrate

Meine Geschichte könnte aufgrund des nicht genutzten Zuckers und der Lightkekse sogar ein paar Kalorien weniger gehabt haben. Insgesamt habe ich mir 4 Stücke gegönnt. Wenn gleich sie etwas kleiner waren und somit wohl als zwei Stücke durchgehen könnten.

Tja. Wer Lust hat, kann das Rezept ja gerne mal Testen und mir mitteilen, wie es geschmeckt hat. Bei mir waren alle so begeistert, dass ich versprechen musste, es an Sylvester noch einmal zu machen.

Und für alle, die mit meinen Angaben so meinen nix anfangen zu können, habe ich natürlich auch noch das Originalrezept, welches HIER zu finden ist!

Ich persönlich finde übrigens, dass sich diese Süßspeise hervorragend für den kommenden Sommer eignet. Sie schmeckt leicht, frisch und ist kalt!

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11 Gedanken zu “Himbeer-Schmand-Lasagnie!

  1. Lemon-Curd! Kannte ich bis vor ’nem Jahr oder so auch nicht, bis ich dieses Rezept entdeckte, es ausprobierte, und es ist wirklich wirklich lecker (ich esse z.B. auch gerne auf kräftigem Käse… oder ersetze einen Teil des Zitronensaftes durch Ingwersaft): http://www.herrgruenkocht.de/lemon-curd-ohne-ei-einfach-selber-machen/ D.h., ich koche/esse es zur Zeit gar nicht, wegen Diät. Aber ich habe zu Weihnachten einen Schwung gekocht und verschenkt, und es kam sehr gut an.

    Für’s Osterwochenende brauchte ich auch einen Kuchen, der zumindest berechenbar für mich war, und habe den Quark-Vanille-Kuchen von Herrn Grün gebacken, der einer meiner Lieblingskuchen ist und sehr einfach ist. Ich komme für das ganze Rezept (für eine kleine Kuchenform) auf 1800 kcal, macht bei 6 Stücken pro Stück ca. 300 kcal, und ich nehme meistens etwas weniger Zucker als im Rezept angegeben… http://www.herrgruenkocht.de/herr-gruens-quark-vanillepudding-kuchen/

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      1. Ich rolle den Teig immer auf einer Silikon-Backmatte aus, dann lässt er sich besser einrollen, wenn die Vanille-Quark-Masse drauf ist, geht bestimmt auch mit Einweg-Backpapier. Und wenn ich mir Deine Himbeer-Lasagne anschaue, dann könnte man sicher den Teig des einen Kuchens mit der Himbeerfüllung… hmmm. (*sucht Anlass in naher Zukunft zum Backen*)

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  2. Endlich mal realistische Bilder vom Kochen oder Backen! Ich bin immer deprimiert, wenn ich die sauberen Schüsseln sehe (wie zum Teufel kam das Essen da rein?!). Und warum liegt da auf einmal ein Zweig frischer Basilikum auf dem Gericht? Warum sind die Walnüsse kunstvoll auf dem Schneidbrett angerichtet?

    Solltest du je ein realistisches Kochbuch rausbringen, setz mich schon mal auf die Bestellerliste!!!

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    1. MUAHAHA – ehrlich? Ich hab darüber nachgedacht, ob ich die Schüssel glänzend lecken soll und dachte mir dann: NEE! das bleibt jetzt so, wie es eben gerade ist, verdammte Axt ^^! Fürs Kochbuch fehlen mir aber, so fürchte ich, die eigenen Ideen. Obwohl … im schmutzig lassen bin ich super *grübel*

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      1. Du brauchst doch nichts neu erfinden, es gibt doch sowieso schon fast alles irgendwie irgendwo auf der Welt. Du nimmst einfach bestehende Rezepte und änderst sie so ab, dass man sie mit allgemein verfügbaren Zutaten und verständlichen Worten kochen kann. Außerdem kannst du wunderbar beschreiben, was alles schief gehen kann. 😁
        Und am Ende ist es ja sogar noch diättauglich. 👍👍👍

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      2. Ist eine Überlegung wert *g* Aber nicht so, wie derzeit meine Küche ist (komischer Satz!) Also, nicht in dem Zustand, dass ich oft nicht weiß, wo ich mein Gemüse nun schneiden soll. Auf dem Herd? Auf dem Boden? An der Spüle? Grrr.

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  3. Ich vermute mal, es wird sogar noch kalorienärmer gewesen sein, weil in Lemon Curd, so wie ich ihn kenne, böse Butter drin ist. Kein Vergleich im Geschmack zur Marmelade … Obwohl Rezepte ja bekanntermaßen nur Empfehlungen sind und mir gefällt dein Nachtisch ausnehmend gut.

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    1. Danke 🙂 ! Die Marmelade, war eine ‚Kinder‘-Marmelade und hatte erstaunlich ‚wenig‘ Kalorien *grübel* wurde aber leider von der Heroldin und meinem Mann aufgefuttert :p Also, die Marmelade. Der Nachtisch hat den Tag sowieso nicht überlebt. Ich hab mir für das nächste Mal, aber nun so eine Lemon-Marmelade angeschafft ^^! Schlicht aus Interesse, wie das wohl schmeckt und aus ärger, weil ich sie an dem Tag nicht gefunden habe.

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